The Whipsaws

Jump to “More items of this artist”

Glanzvolles, musikalisch spannendes Comeback einer Band, die vor ein paar Jahren gerade auf dem Sprung zu einer breiteren Wahrnehmung innerhalb der internationalen Guitar Rock/Alt.Americana-Gemeinde ansetzte, bevor sich ihr Leader Evan Phillips wegen einer hartnäckigen Verletzung für 7 Monate völlig aus dem Rennen nehmen musste und nicht mehr live auftreten konnte. Die Rede ist von den WHIPSAWS, jener hoffnungsvollen Combo aus Anchorage, Alaska, einer Region in den USA, in der ja bislang nicht allzuviele Talente dieses Genres aufgefallen sind. Nach Phillips' Genesung machte man sich an die Wiederbelebung dieser tollen Gruppe, es wurden neue Songs entwickelt, die ersten Gigs gebucht und dann im Studio das nun vorliegende Album eingespielt, das wohl nicht zufällig selbstbetitelt bleibt wie sonst nur ein Debüt. Keine Frage: Whipsaws ist total gelungen, knüpft an alte Werte an und bedeutet doch gleichzeitig einen Neustart - Alaska meldet sich eindrucksvoll zurück auf der großen Landkarte des Rock'n Roll!

Anchorage, Alaska?! Man kennt ja diese besonderen Plätze in den Staaten, dort wo all die Helden wie die Drive-By Truckers, Bottle Rockets, Son Volt, Whiskeytown, Blue Mountain & Co. zuhause sind: Athens, St.Louis, Raleigh, Oxford oder ganz profan Austin, Nashville und Memphis heißen jene Städte mit dem gewissen Gitarrentimbre im Namen. Die Whipsaws haben mit all diesen Szenen gar nichts zu tun, sie haben ihren ganz persönlichen Stil praktisch autark entwickelt und sich seit Mitte der letzten Dekade zu einer der herausragendsten Combos in dieser so sehr entfernten Ecke Amerikas gemausert. In 2008 verließen sie erstmalig ihre Heimat, verdingten sich als Backing Band für Singer/Songwriter Tim Easton, tourten mit ihm kreuz und quer durchs Land und machten besonders beim SXSW-Festival in Austin auch in eigener Sache auf sich aufmerksam. Keine Geringere als Lucinda Williams z.B. war nach einem gemeinsamen Gig im Antone's voll des Lobes! Und auch Blue Rose war schwer begeistert, hat sich diese Chance nicht entgehen lassen und die Whipsaws praktisch von der Bühne weg gesignt.

Eine gute Investition: 60 Watt Avenue wurde genau das erhoffte Zweitwerk einer Band, die bereits mit ihrem 2006 nur lokal veröffentlichten Debüt Ten Day Bender in Fachkreisen Aufsehen erregte. Die Kritiker waren sich einig: Das sind die "Bottle Rockets aus Alaska". Oder die "Drive-By Truckers aus Anchorage". Oder besser: fantastische Musik, die wohl eher mit den Staaten südlich der Mason Dixon Line assoziiert wird und sich - auf welchen Trails auch immer - in den hohen Nordnordwesten verirrt hat. Ten Day Bender war der Beweis, dass die dort mit so was umgehen können! 60 Watt Avenue bedeutete Weiterentwicklung auf ein höheres Song- und Soundniveau unter Beibehaltung aller musikalischen und gitarrenrock-ästhetischen Werte!

Und dann die erwähnte Zwangspause - Bandchef, Songschreiber, Leadsänger und Gitarrist Evan Phillips hatte mit seiner Gesundung zu kämpfen, die übrigen Mitglieder widmeten sich vorübergehend anderen Jobs und Projekten: Leadgitarrist, Pedal Steeler, Banjo- und Mandolinenpicker Aaron Benolkin, Bassist Ivan Molesky und Drummer James Dommek Jr. Aber getreu dem Motto "was einen nicht umbringt, das macht einen nur härter" fanden die Vier in konzentrierter gemeinsamer Weise wieder aus der Talsohle hinaus und buchten das berühmte Water Music Recording Studio in Hoboken, New Jersey für die Aufnahmen zu Whipsaws. Hier hatten sich schon u.a. Yo La Tengo, Amy Rigby, Gov't Mule, die dB's, Steve Wynn, die Feelies oder Willie Nile verewigt.

Bereits der Opener 'Took My Tears' besitzt viel von dem, was in der kommenden Dreiviertelstunde häufiger vorkommen wird: laute, elektrische Rockmusik mit deutlicher 70er Jahre-Note, eine humorlos geradeaus arbeitende Rhythm Section, ein entfesselter Evan Phillips, der zwar noch nicht wieder seinen Verstärker tragen kann, dafür aber kernig singt und zusammen mit Leadgitarrist Aaron Benolkin für die oft deftigen Gitarrenriffs sorgt. 'Wait It Out' startet zunächst Pedal Steel-untermalt im Alt.Country Rock-Modus von Whiskeytown & Co., entwickelt sich dann dank etlicher überspielter Gitarrenspuren zu einem wahren Southern Rock-Jam mit unerhörter Tempoverschärfung im Finish! Bei 'Cave In' gibt Phillips den Shouter á la Chris Robinson, um dann für das akustische, nur von Steel, Bass und Gitarre begleitete 'Coralee' in nachdenkliche Songwriter/Troubadour-Stimmung umzuschwenken. 'Tried Not True' ist eine spannend aufgebaute, mit intelligenten Wendungen durchzogene Hard'n Heavy-Nummer der Extraklasse. Auf dem Herzstück in der Mitte des Albums, dem 6:36-langen 'Shutdown Checklist', dürfen sich die Instrumentalisten fast nach Prog Rock-Art austoben dazu gibt's Unterstützung einer zweiköpfigen Bläsersection. Nach einem kurzen Synth/Steel/Noise-Einschub rocken auf 'Reno' wieder die Gitarren, müssen sich die Aufmerksamkeit aber mit fast Pink Floyd-nahen Keyboard-Schüben teilen. 'What Are The Chances' ist eine wunderschöne No Depression-Hymne auf höchstem Whiskeytown-Niveau mit herrlich weinender Pedal Steel, Harmony Vocals von Bonnie Whitmore und einem überraschenden Break nach über 4 Minuten, bei dem die Gitarren mit der Orgel fast wegzufliegen scheinen. Ja, wir sind offenkundig kurz vor Schluss bei der Americana-Sektion dieses Albums angekommen: Auch 'Lay Down By Me' ist eine Ballade und bietet sehr melodischen, mit Mandoline, Banjo, akustischen Gitarren und Chorgesang inszenierten Folk.

Und dann noch ein letztes Highlight zum Finale! 'Daylight' kommt in seiner ganzen 6:30-minütigen Pracht, mit diesem flächigen Drumming, den verperlten elektrischen Gitarren, den clever eingebauten Keyboards-Anordnungen, den gediegenen Twin Guitars-Soli und nicht zuletzt diesem Jeff Tweedy-ähnlichen Gesang von Evan Phillips wie eine kapitale Wilco-Großtat daher - 'Impossible Germany' oder 'One By One' lassen grüßen. 'Daylight' ist vielleicht der stärkste Beleg dafür, wie fest die Whipsaws zu einem Team verschweißt sind und wie selbstverständlich in ihrer Musik ein Rädchen ins andere greift!

More items
The Whipsaws 2-LP (Personal Vinyl Edition) € 24.90 Info
Single By Request 7" € 9.90 Info
60 Watt Avenue 2-LP (Personal Vinyl Edition) € 24.90 Info

One Response to “Album”

  • Thomas sagt:

    Hallo Edgar,
    ich habe mir die DVD gekauft. Allerdings sind dort 32 Songs drauf – nach „Song 28. Paradise“ kommt der Song „Hollywood Bungalow“ und dann weiter wie mit der DVD-Setlist.
    Eine kleine Anmerkung meinerseits. 😉
    Gruß
    Thomas

Leave a Reply

The Whipsaws
WHIPSAWS
The Whipsaws
CD
BLU DP0602
€ 5.90



1. Took My Tears
2. Wait It Out
3. Cave In
4. Coralee
5. Tried Not True
6. Shutdown Checklist
7. C.F.G.
8. Reno
9. What Are The Chances
10. Lay Down By Me
11. Daylight