Chimes At Midnight and How Shall We Then Live?

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Steven Collins aka Deadman befindet sich schon seit etlichen Jahren im Geschäft. Er stammt aus Dallas und hat dort eine erste Deadman-Inkarnation bereits Ende der 90er an den Start geschickt. Nach einer wechselhaften Bio mit einigen längst vergriffenen Veröffentlichungsschätzen, einer gescheiterten Ehe und etlichen Songs darüber bedeutete sein Umzug in die ewig blühende Musikmetropole Austin Vergangenheitsbewältigung und Aufbruch zugleich. Aufbruch zu jener Sextett-Bandphase von Deadman, die sich mit regelmäßigen Live Shows im Saxon Pub und anderswo eine große Reputation unter ihren zahlreichen Anhängern und den einschlägigen Fachleuten vom Austin Chronicle über das Paste Magazine bis Uncut erspielt hatte. Blue Rose Records, seit jeher glühende Anhänger gut gemachter Texas Music, nahm Deadman unter Vertrag und brachte Anfang 2011 zunächst die Live At The Saxon Pub-CD heraus - ein fulminantes, fast 70-minütiges Statement über das riesige Potenzial dieser tollen Formation, die so leichtgängig Southern Rock, Texas Folk, Alt.Country Rock und 70er old school Rock'n Roll mit klassischen Singer/Songwriter-Tugenden unter dem Americana-Banner zu verknüpfen wusste und oft sogar mit The Band verglichen wurde! Im Herbst 2011 folgte dann als Reifeprüfung die starke Studio-CD Take Up Your Mat And Walk in derselben Besetzung und im Frühjahr 2012 eine umjubelte Tournee durch Europa. Aber auch dieses Kapitel ist beendet, Steven Collins war stets ein kreativer Künstler auf ständiger Suche und wird es immer bleiben!

Chimes At Midnight ist ein knapp 20-minütiger Short Film, der wie ein songübergreifendes Musikvideo wirkt, andererseits aber auch als eigenständiges Produkt mit musikalischer Begleitung funktioniert. In der Hauptrolle sehen wir einen von Schauspieler Chris Dye gespielten Erzähler, der eine Aufführung in drei Akten vorträgt. Kurz zusammengefasst handelt es sich dabei um ein mysteriöses, spukiges, gleichwohl lässig unterhaltsames Western Noir-Drama mit Roadmovie-Charakter und Stummfilmanleihen etwa zwischen den Polen Shakespeare, Victor Hugo, Pat Garrett und Jim Jarmusch (Dead Man!). In schwarzweiß gefilmt sehen wir herrlich klischeehaft überzeichnet Männer in zünftiger Goldgräberkluft und Frauen als deftig gestylte Schönheiten der Nacht sowie in regelmäßigen Einblendungen Steven Collins & Deadman als "House Band" mittendrin. Die Idee zu diesem Projekt reifte in Collins während der Studio Recordings zur neuen Platte. Er gewann schnell das Interesse von Regisseur J.Hawkins und Kameramann Chip Tompkins, in nur wenigen Monaten entstand das Grundgerüst für Chimes At Midnight in Form eines Scripts, einer Besetzungsliste und der Auswahl des Drehorts. So spielt der Film in Collins' südlich von Austin gelegener Heimatstadt Lockhart, dort speziell im kultigen Chisholm Trial Ballroom. Als Mitwirkende fungieren lokale Musiker, Schauspieler, Designer, Maler und andere Künstler, denen man Spaß und Engagement in jeder Szene anmerkt. Zusätzlich zum Film bietet die DVD noch einen ausführlichen "Behind The Scenes"-Bonus mit Beiträgen und Kommentaren der Hauptakteure.

How Shall We Then Live? ist eine 26-minütige Mini-CD mit 6 Tracks. 'Young And Alive' beginnt den neuen Deadman-Reigen roots-rockig und gospel-beschwingt, elektrische und akustische Gitarren halten sich die Waage und Steven Collins grummelt mit tiefem Sprechgesang als "Preacher Man" gegen einen mehrstimmigen Frauenchor. Etwas leiser dann das feinsinnige, mit spanischer Gitarre und Akkordion ganz im wüstenflirrenden Calexico-Sound arrangierte 'Javert'. Auch dieser geheimnisvoll vorgetragene Song in Anlehnung an den Hauptcharakter aus Hugo's 'Les Misérables' ist gespickt mit biblischen Metaphern und philosophischen Betrachtungen. Collins erweist sich mal wieder als Meister wortgewandter Poetry und bildhafter Sprache. Ja, es sind solche cinemaskopischen Lieder wie 'Javert', die sich besonders für eine Verfilmung eignen und ihn maßgeblich zum Chimes At Midnight-Projekt motiviert haben dürften! In ähnlicher Atmosphäre (und mit reichlich Dylan-Nähe) findet das lässig walzernde 'Hard Pill' statt, bevor Deadman mit dem beschwingten Uptempo-Twang von 'Our Fellow Man' zum ultimativen Ballroom-Abtanz auffordern. Gitarrist Bryce Clarke pickt seine Fender Telecaster herrlich knackig im klassischen Bakersfield-Modus, Akkordionspieler Matt Lara präsentiert ein stimmiges Border Music-Solo und Texas-Folkfrau Brennen Leigh steuert die Harmony Vocals bei.

Gerne wird Steven Collins eine mitunter wirklich kaum unüberhörbare Bob Dylan-Affinität zugeschrieben. Als wenn er das bestätigen müsste, wird's nun richtig dylanesk! Zunächst mit dem Titelsong, einer getragenen Ballade, auf der Collins in der typischen Intonation des Meisters nach nichts weniger als der Bedeutung des Lebens sinniert, während Gitarren und Akkordion eine Soundlandschaft frei nach Daniel Lanois aufbauen. Dann zum Finale mit einer tex/americana-mäßigen Version von... ja, tatsächlich einer waschechten Dylan-Nummer, die der Autor soeben - viel diskutiert und höchst umstritten - für den aktuellen Chrysler-Autowerbespot preisgegeben hat: 'Things Have Changed', im Original aus dem 2000er Film Wonder Boys. Dass Deadman mit ihrer sehr integer und bodenständig gestalteten Interpretation diesem Song seine Würde zurückgeben, kommt schon beinahe einer ironisch-philosophischen Überlegung nahe, aber es passt auch irgendwie zum Leben dieses bemerkenswerten Typen Steven Collins, dem es eindrucksvoll gelingt, sich als Deadman immer wieder neu zu erfinden!


- Shortly after beginning to record the songs for “How Shall We Then Live”, the idea of making a short film came to mind. I thought it would be interesting to have two separate mediums that complimented each other but also were autonomous, packaged together as one piece of art. “How Shall We Then Live” as an album was very short, only six songs. The idea for the film came from wanting to expand on the creative process itself, to show the strange alchemy that creating something brings about.

My main objective in doing this was to create a piece that focused on the mystery, beauty and romance of creating something in general, whether it be music, film, photography, painting, story-telling, etc. When we view or listen to art, we engage in some way in what another person has created. In this case, it was even more interesting to focus on the act of creating, something that continually is referred to as a “mystery.” Mysteries are becoming increasingly few but the act and chemistry of musicians playing together continues to mystify both the musicians and the listener. In fact, it enthralls them in a strange way.

I contacted J. Hawkins and Chip Tompkins to discuss my idea. They seemed to find it equally interesting and took the songs, and my initial ideas, to develop into a film. In about six months, we had a storyboard, a cast, a location and started to make the film itself.

The little town I live in was involved, local folks mixed with actors, musicians, painters, photographers, designers and other artists completed the cast. The result is something I’m proud of: It accomplishes what I wanted it to from an artistic perspective but also is not heavyhanded in forcing those ideas on the viewer. It does, however, focus on beauty, romance, story telling and imagination. I’m glad to share it with you. I hope you enjoy it.

- Steven Collins, Lockart, Tx, January 2014

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Disc 1 - CD "How Shall We Then Live?"
1. Young and Alive
2. Javert
3. Hard Pill
4. Our Fellow Man
5. How Shall We Then Live?
6. Things Have Changed

Disc 2 - DVD "Chimes At Midnight"
Short Film (18:45)
plus Special Features:
- 40 page lyric book and photo essay
- behind the scenes featurette (14:47)