AMERICAN AQUARIUM

AMERICAN AQUARIUM
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Zweieinhalb Jahre nach ihrem Blue Rose-Debüt Burn.Flicker.Die legen American Aquarium aus North Carolina mit dem Album Wolves ihr neues Meisterstück vor. Eigentlich keine allzu große Zeitspanne für eine Combo, die zudem auch noch dafür bekannt ist, 250-300 Konzerte pro Jahr zu absolvieren. Aber seitdem ist eine ganze Menge passiert und fast wäre diese insgesamt 7. Veröffentlichung gar nicht mehr zustande gekommen. American Aquarium fühlten sich künstlerisch desillusioniert und körperlich ausgebrannt nach all den Jahren in den unteren Regionen der öffentlichen Americana-Wahrnehmung - trotz harten Schuftens und konstant guter Kritiken. Deshalb stellten sie sich 2012 einer bandinternen Bestandsaufnahme und beantworteten die Frage, ob man alles hinwerfen oder doch noch einen letzten Versuch auf den möglichen Durchbruch abwarten sollte, zum Glück mit einem deutlichen Ja! Ironischerweise begann dann ausgerechnet mit Burn.Flicker.Die., wo Erfolglosigkeit und Frust einer Band thematisch in den Mittelpunkt gerückt wurden, der ersehnte Durchbruch. Wolves bedeutet nun die Fortschreibung der American Aquarium-Geschichte mit neuem Mut, ungebrochenem Teamspirit und einer gehörigen Portion Reife!

Wer aus Raleigh, North Carolina stammt und natürliche, auf guten Songs und handwerklichem Können basierende Independent Music zwischen epischen Southern-Balladen mit Alt.Country-Flair und dynamischem Americana Rock mit elektrischen Gitarren spielt, wird automatisch an solchen Vorbildern wie den Backsliders und Whiskeytown gemessen. Bereits als Jugendlicher war BJ (Bradley Justin) Barham voll angefixt und speziell auf den ersten Alben hört man diese Einflüsse, insbesondere des jungen Ryan Adams, deutlich heraus. Was der Bandchef, Leadsänger, Gitarrist und Songschreiber übrigens gerne bestätigt: Adams, auch Bruce Springsteen oder Jeff Tweedy gehörten eng zu seiner musikalischen Sozialisation. Barham gründete eine erste Ausgabe von American Aquarium 2005 in Raleigh, dazu kamen und gingen in der Folge unzählige Musiker; ab 2009, mit dem ersten nennenswerten Album Dances For The Lonely, stabilisierte sich eine Kernbesetzung, die auch heute noch gilt: Ryan Johnson (Electric Lead Guitar), Whit Wright (Pedal Steel), Bill Corbin (Bass) und Kevin McClain (Drums). Es folgten in 2010 Small Town Hymns und zuletzt im Herbst 2012 das besagte, von Jason Isbell produzierte Burn.Flicker.Die.

Nun haben American Aquarium endgültig ihren Karriereschalter auf Restart gestellt. Zunächst wurde mit dem talentierten Colin DiMeo im April 2014 ein zusätzlicher erstklassiger Gitarrist verpflichtet, dann begab man sich im Sommer - großzügig unterstützt durch Fund Raising - für immerhin 20 Tage in das für sein Wohlfühlklima bekannte Echo Mountain Studio in Asheville, North Carolina. Inspiriert vom innovativen Produzententeam Brad Cook (Megafaun, Hiss Golden Messenger, Amy Ray) & Jon Ashley (Avett Brothers, Truth & Salvage Co., Dawes) entwickelte das Sextett eine Art "Thinking Man's Southern Americana Rock Music" mit ausgefeilteren, aufregenderen Arrangements. Dabei halten sich rockige Nummern und emphatische Balladen etwa die Waage. Zwischen der akustischen Gitarre Barham's und der flexiblen, punktuell druckvollen Rhythm Section vermischt sich eine gleißende Pedal Steel mit gleich zwei elektrischen Gitarren zu einem ansehnlichen, mitunter regelrecht cinemaskopischen Klangbild der besonderen Art. Brad Cook's Bruder Phil (beide sind Co-Leader der experimentellen Alt.Folk/Indie Pop Band Megafaun) komplettiert das Klangbild - ebenso wie Pedal & Lap Steeler Whit Wright - zusätzlich mit geschmackvollen Keyboards-Texturen. Andy Herod von Comas singt im Background und Saxofonist Matt Douglas (Chris Stamey, Kenny Roby, Josh Ritter) imitiert zwei Mal eine Horn Section. Nur marginale, aber zielgerichtete Details - der typische American Aquarium-Sound wird letztlich von BJ Barham's höchst attraktiver Reibeisenstimme authenzitiert!

In Barham's nun deutlich erwachseneren Texten geht es auf Wolves fast konzeptmäßig um die Vor- und Nachteile des Musikerlebens "on the road". Seine Songs sind geprägt von den Freuden und Leiden seines Berufs: Einsamkeit, Heimweh, auf der Suche nach Liebe, aussichtslose Beziehungen, aber auch Unabhängigkeit, die Chance auf Veränderungen, seine unerschütterliche Zuversicht in das eigene Schaffen. In der epischen Eröffnungsballade 'Family Problems' singt Barham mit bewegender Stimme von jemandem, der ein massives Suchtproblem "geerbt" hat und sich auf der Kippe befindet, aber noch ist es nicht zu spät... Der kompakte Sound sorgt für reichlich Südstaatendramatik, akzentuierte Gitarrensoli und kräftige Bläserparts wetteifern im furiosen Finish! 'Southern Sadness' strahlt titelgerecht ganz viel melancholisches Heim-/Fernweh aus und bietet typisch rauen Roots'n Roll; die beiden elektrischen Gitarren harmonieren dabei spielerisch perfekt. Als ein erstes zentrales Highlight folgt das langsame, von schwebenden Pedal Steel-Schleifen kolorierte 'Man I'm Supposed To Be', Barham's einsame Liebeserklärung an seine Frau in Form einer geradezu verzaubernden Ballade in einem Mix aus Bruce Springsteen ('Philadelphia') und Richmond Fontaine ('Post To Wire'). Danach kommt 'Wichita Falls' mit Südstaaten-getränktem No Depression/Country Rock à la Uncle Tupelo oder Drive-By Truckers, und auch auf 'Old North State', einem raubeinig-gefühligen Tribut an den Heimatstaat North Carolina, wird mit reichlich Alt.Country-Flair, forscher Pedal Steel und regelrechten Gitarrenbrettern herrlich rumpelnd gerockt! 'Ramblin' Ways' erhöht den "Ecken und Kanten"-Faktor des Albums mit einer interessanten Southern Boogie/Funk-Note, während das semiautobiographische 'Losing Side Of Twenty-Five' überraschend Banjo-schunkelig geradewegs von der Backporch klingt. Ein Musiker, der allen Vorbehalten zum Trotz seinen Traum verfolgt, findet hier am Ende zumindest sein künstlerisches Glück. Auch auf 'End Over End' dominieren zunächst akustische Gitarre und Steel, bevor die Band mit gepflegten E-Gitarrenlinien und schleppendem Druck von Bass und Drums Midtempo-Fahrt aufnimmt und den trübsinnigen Lyrics gerecht wird. Trotz seiner Kürze von nur 3:05 Minuten muss man 'Wolves' nicht nur als Titeltrack, sondern gar als veritable Killernummer bezeichnen. Mit seinem Storysong auf Grundlage eines berühmten Zitats ("when we hungry, we eat!") von Julius Hodge, Basketball-Legende an Barham's College, rückt er sich als Führer eines im übertragenen Sinn zupackenden Wolfsrudels in die musikalische Kategorie von Robbie Robertson und The Band! 'Who Needs A Song' am Ende passt inhaltlich und musikalisch formvollendet zum Gesamtcharakter des Albums: Das ist mitreißender Alt.Country Rock mit klasse Gitarren und der reifen Erkenntnis, dass man für Anerkennung und Erfolg in der Regel einen viel zu hohen Preis entrichten muss.

Da bleibt nur zu hoffen, dass American Aquarium auch für die nächsten Jahre immer die richtige Balance finden, um uns mit solchen hochqualitativen Platten zu verwöhnen: Wolves ist ein prächtig gelungenes Americana Rock-Fest für 2015!!


Two and a half years after the release of their Blue Rose debut Burn.Flicker.Die American Aquarium from North Carolina are back with their masterpiece Wolves. This is not a long interim for a combo known for playing 250 to 300 shows a year. But a lot has happened since the last album which would almost never have seen the light of day. After six album releases and long years of receiving little recognition despite their hard work and good reviews, American Aquarium were disillusioned and physically exhausted. In 2012, the band discussed their options, considered packing it in but decided to give it one last effort. Ironically, it was Burn.Flicker.Die which dealt with a band’s fruitless striving for success and their frustration that led to their breakthrough. Wolves represents the band’s continuation with a new optimism, team spirit and maturity.

If you’re from Raleigh, NC and play authentic music based on musical chops and songs with a Southern/ alt.country/Americana flair you’re bound to be compared to bands like Whiskeytown or the Backsliders. On the band’s first albums these influences on BJ (Bradley Justin) Barham are clearly audible, particularly Ryan Adams’. The band leader/songwriter/lead singer/guitarist doesn’t deny it, either, citing Adams, Bruce Springsteen and Jeff Tweedy as the guiding lights of his musical development. Barham founded an early incarnation of American Aquarium in 2005 in Raleigh; the band’s core lineup of Ryan Johnson (lead guitar), Whit Wright (pedal steel), Bill Corbin (bass) and Kevin McClain (drums) stabilized in 2009 with their first noteworthy album Dances For The Lonely. It was followed by 2010’s Small Town Hymns and the Jason Isbell-produced Burn.Flicker.Die in 2012.

Now American Aquarium are ready to take another step forward. In April 2014 a first-class guitarist joined the band in Colin DiMeo, then in the summer – financed by fund-raising – they booked 20 days at the renowned Echo Mountain Studio in Asheville, NC. Inspired by innovative producers Brad Cook (Megafaun, Hiss Golden Messenger, Amy Ray) & Jon Ashley (Avett Brothers, Truth & Salvage Co., Dawes) the sextet created a kind of "Thinking Man's Southern Americana Rock" with sophisticated, exciting arrangements. Rock songs and emphatic ballads are evenly represented. Between Barham’s acoustic guitar and the flexible, powerful rhythm section, a glistening pedal steel and two electric guitars coalesce into a very special cinemascope soundscape. Brad Cook’s brother Phil on keyboards (both play in indie-pop band Megafaun) and pedal & lap steeler Whit Wright round out the band’s sound with beautiful textures. Andy Henrod of Comas sings background vocals, saxophonist Matt Douglas (Chris Stamey, Kenny Roby, Josh Ritter) provides a horn section. These are marginal but purposeful details – the main element of American Aquarium’s sound, however, remains BJ Barham’s sandstone voice.

Barham’s lyrics have clearly matured. The songs on Wolves deal – almost like a concept album – with the pros and cons of life on the road: loneliness, difficult relationships, feeling homesick, longing for love, but also freedom, independence, the chance to change things and confidence in oneself. In the epic opening ballad “Family Problems” Barham sings of someone who has “inherited” an addiction problem but is not too far gone to be saved – with a Southern-flavored sound, accentuated guitar solos and powerful horn parts. “Southern Sadness” provides a longing, raw and rootsy sound with two electric guitars in perfect balance. The first centerpiece and highlight is the slow, pedal steel-colored ‚Man I’m Supposed To Be’, Barham’s declaration of love to his wife, an enchanting ballad between Springsteen (‘Streets Of Philadelphia’) and Richmond Fontaine (‘Post To Wire’). It is followed by ‘Wichita Falls’, Southern country rock with an Uncle Tupelo/Drive-By Truckers flavor. ‘Old North State’, a tribute to his home state of North Carolina, is another rumbling alt.country number with pedal steel and crunchy, rocking guitars. ‘Ramblin’ Ways’ is an edgy Southern boogie/funk while the semi-autobiographic ‘Losing Side Of Twenty-Five’ sports a banjo-y backporch flair. A musician following his path despite the odds and obstacles finds his luck here, at least artistically. ‘End Over End’ starts out driven by acoustic guitar and steel before electric guitar, bass & drums provide some midtempo tension that fits the somber lyrics well. Despite its brevity of 3.05 minutes, ‘Wolves’ is not only the album’s title track but a veritable killer of a song. With that story song based on a quote by local basketball hero Julius Hodge (“when we hungry, we eat”) Barham becomes the leader of a pack of musical wolves not unlike Robbie Robertson and The Band. ‘Who Needs A Song’ is a fitting closer to this album, both musically and lyrically. This is stirring alt.country rock with great guitars and the insight that success often comes at too high a cost.

We can only hope that American Aquarium will continue to find the right balance and deliver more wonderful albums like Wolves - a great Americana rock record for 2015!

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