25. Januar 2018

Die erste Blue Rose-Veröffentlichung 2018 ist gleich eine echte Perle – MARKUS RILL und Getting Into Trouble als Doppel-CD!

Seit 20 Jahren veröffentlicht MARKUS RILL regelmäßig Alben – „20 years of gunslinging“ nennt er das in Anlehnung an den Titel seines Debütalbums Gunslinger’s Tales von 1997. Nun, findet er, ist es Zeit für ein Geschenk „an all die Menschen, die meine Musik mögen und an mich selbst“. Dieses Geschenk ist Getting Into Trouble, Rills erstes Doppelalbum, das zum wiederholten Male belegt, warum Rill als hervorragender Songschreiber und Europas herausragender Americana-Künstler gilt.


CD 1 enthält elf neue Aufnahmen mit allen Rill-Markenzeichen: Die raue, fesselnde Stimme und viel Abwechslung zwischen treibendem Roots-Rock und nachdenklichen, akustischen Stücken, von poliertem Bluegrass zu schmutzigem Blues. Rills Texte sind frisch, voller interessanter Einsichten und lakonischer Poesie – ob er eine Stripperin in New Orleans beschreibt oder ein junges Mädchen, das eine Entscheidung treffen muss, ob er dem Geigenvirtuosen Vassar Clements Tribut zollt oder sich Gedanken macht um einen Schulfreund, der vom Weg abgekommen ist, oder über die Herausforderungen der Liebe aus der Perspektive von Heinrich VIII. Hervorragende Musiker aus Nashville, Australien, Seattle und Deutschland haben diese Songs mit großer Kreativität und Energie aufgenommen und tragen zur Tiefenwirkung bei.
„Ein bisschen aufgeräumt“ habe er mit diesem Album, sagt Rill trocken. „Nach 20 Jahren hatte ich Lust darauf, einige meiner früheren Stücke, die mir immer noch viel bedeuten, zu überarbeiten. Außerdem wollte ich einige Songs und Co-Writes, die ich für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte, oder zu denen ich kürzlich neuen Zugang gefunden habe, aufnehmen und veröffentlichen.“
Natürlich hat der Musiker nun mehr Erfahrung darin, seine Songs passend umzusetzen als bei seinen ersten Studioaufnahmen in den 90er Jahren. „Eye For An Eye“ – inspiriert von Norman Mailers „The Executioner’s Song“ und dem Tim-Robbins-Film „Dead Man Walking“ – präsentiert sich nun als atmosphärischer, eindringlicher Rocker, der von Dave Colemans innovativem Gitarrenspiel getragen wird. „On The Sly“ – eine bewegende Vignette über eine schwangere junge Frau, die ihre Optionen abwägt – blüht geradezu auf als Fingerpicking-Folknummer mit Streicherbegleitung. „Trouble With The Law“ – die Geschichte eines Mannes auf der Flucht – wird mit dringlich treibendem Groove, Twang und Draufgänger-Attitüde dargeboten.

Und die neuen Stücke sind genauso überzeugend. „In Theory“ und „Giving Up On Dreaming“ – geschrieben mit Emmylou Harris-Sideman Phil Madeira – sind bezwingende, schnörkellose alt.country-Ohrwürmer. „For The Love Of Anne Boleyn“, ebenfalls mit starkem Refrain, kommt sehr originell daher dank der ungewöhnlichen Erzählperspektive aus Sicht von Heinrich VIII und dem Einsatz des schwedischen Saiteninstruments Nyckelharpa mit passendem Mittelaltersound. „Desperate Ride“ und „Vassar Played The Fiddle“ sind treibende Uptempo-Nummern, die erstgenannte ein kapitaler Roadmovie-Rocker mit James Burton-Riff und Ronnie Tutt-Groove, die zweite ein überzeugender Bluegrass-Workout. In „Not Like I Don’t Try“ akzeptiert der Sänger, dass er nicht fehlerlos ist – umgeben von einem simplen, aber wirkungsvollen Arrangement mit zwei Akustikgitarren. „You Took It All Away“ ist ebenso voller Schwermut wie voller schwirrender Gitarren, Pedal Steel, Piano- und Orgelparts.
Ein tolles Album, das sicher auch als Einzelveröffentlichung erfolgreich wäre!

Aber es gibt noch mehr zu hören: Auf CD 2 sind elf Songs aus Rills Backkatalog zusammengestellt – sie zeigen einmal mehr seine Vielseitigkeit. Der Mann schreibt Rockabilly-Nummern mit einem Augenzwinkern und einer Verbeugung vor Jerry Reed, er verwandelt eine klassische Elvis-Ballade in ein atmosphärisches Brodeln, bringt Cajun-Flair in eine Familiengeschichte aus Louisiana und singt Soul ebenso überzeugend wie Rock. Keiner dieser Songs war bisher auf einer regulären Blue Rose-CD veröffentlicht, sie alle entstammen Nebenprojekten, Eigenveröffentlichungen, Kollaborationen und EPs.
Da sind der blue-eyed Soul von „Girl On The A-Train“ und das Wiegenlied „Angel On The Stairs“ aus der gemeinsamen CD mit den Regensburger Lokalhelden Treml & Schuier. Da ist „For A While“, ein berührend-intimes Duett mit der schwedischen Songschreiberin Annika Fehling, eine langjährige Tourpartnerin Rills. Außerdem gibt’s Rock mit Energie und einem Heartland-Einschlag wie das springsteeneske „Young Again“ und „The Killer On The Radio“, Rills Ode an Jerry Lee Lewis und die Kraft des frühen Rock’n’Roll. Ruhiger wird’s in den berührenden Balladen „Drifting In & Out Of Sleep“ und „The Hardest Thing To See“ wie in den überraschenden Coverversionen von Elvis Presleys „Can’t Help Falling In Love“ und Gillian Welchs „One More Dollar“ mit Unterstützung von Seattles Americana-Sirene Rachel Harrington.

Nachdem sein vorheriges Album Dream Anyway „Album des Jahres“ und „Sänger des Jahres“-Preise gewonnen hat, ist Getting Into Trouble ein Kulminationspunkt von Rills Laufbahn – das Album bietet aber ebenso gut einen hervorragenden Einstieg in das Werk dieses Künstlers.

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