25. März 2017

Die Werkschau von WALTER SALAS-HUMARA geht in die zweite Runde mit Work: Part Two!

Walter Salas-Humara ist ein Musiker, der selber viel Freude an seinem eigenen, reichhaltigen Backkatalog haben muss! Nein, er lebt keineswegs in oder von der durchaus ruhmreichen Vergangenheit – dazu veröffentlicht er gerade in diesem Jahrzehnt viel zu viel Neues: sowohl mit den legendären Silos als auch solo. Aber zusätzlich wird die mit Work: Part One vor einem Jahr begonnene Aufarbeitung alten Materials jetzt – wie versprochen – mit Work: Part Two konsequent weitergeführt. Noch einmal greift er hauptsächlich auf die klassischen Frühwerke der Silos von 1985-1990 zurück, erweitert das Spektrum seiner Reise in die Vergangenheit allerdings nun um Songs späterer Alben der frühen bis mitt90er Jahre. Und das wiederum in dieser genauso kongenialen wie zeitgeistigen musikalischen Neubearbeitung im betont akustisch arrangierten Sound der angesagten Alt.Folk/Americana-Bewegung.

Walter Salas-Humara! Jener Name klingt so unverwechselbar wie der Mann dahinter. Bereits vor über 30 Jahren trat der äußerst wandlungsfähige Künstler als Mastermind der Alt.Country Rock-Pioniere The Silos erstmalig in Erscheinung. Mit ihm im Kreativzentrum als Songwriter, Gitarrist und Leadsänger standen sie ab 1985 für sensiblen, klugen, einprägsamen amerikanischen Indie Pop-goes-Alt.Country Rock der Königsklasse. Die 90er Jahre waren dagegen geprägt von Rastlosigkeit und Experimentierfreude. Häufige Ortswechsel zwischen New York, Los Angeles und der pulsierenden Szene von Austin, Texas sorgten für permanente Umbesetzungen und hatten musikalische Brüche und Umorientierungen zur Folge. Zu neuer/alter Form liefen die Silos erst wieder ab dem Jahrtausendwechsel auf: mit einer beeindruckenden Serie von starken Alben auf Blue Rose Records zwischen 2001 und 2006 bzw. dann wieder ab 2011 mit dem famosen Florizona. Jüngst hatte Blue Rose im Sommer 2014 Curve And Shake veröffentlicht, nach über 18 Jahren mal wieder ein Soloteil von Walter Salas-Humara. Im Januar 2016 folgte das erwähnte Work: Part One und gleich darauf im Frühjahr Explodes And Disappears, ein wahres Klassealbum mit komplett neuem Material. Keine Frage: Walter Salas-Humara hatte seinen ungebrochenen Status als wichtiger Musiker im Independent-Bereich und als Darling der Alt.Americana/No Depression-Szene erneut kräftig untermauert!

Ebenso wie bei Folge 1 seiner ganz privaten Rückschau bietet er auch auf Work: Part Two eine homogene, organisch gewachsene Produktion aus einem Guss! Wiederum in enger Zusammenarbeit mit dem bekannten, erfahrenen Multiinstrumentalisten und Produzenten Rich Brotherton hat Salas-Humara ein nächstes Highlight seiner Recording-Laufbahn vollbracht! Brotherton gehört zu den wahren „local treasures“ von Austin, wenn es darum geht, den Sidekick für einen Singer/Songwriter zu geben, der im Aufnahmestudio nach Wohlfühlklima und größtmöglicher musikalischer Kompetenz sucht. Bruce & Charlie Robison, Robert Earl Keen, Mary Gauthier, Eliza Gilkyson, Matt Harlan u.v.a. haben schon von ihm profitiert. Hier spielt er nicht nur die zweite akustische Gitarre, sondern auch Mandoline, Dobro oder Zither, singt häufig die Harmony Vocals. Ferner hören wir das bekannte americana-finnische Multitalent Jonathan Rundman aus Minneapolis an Akkordion, Klavier und Harmonium, dazu mit Mary Rowell eine gute Freundin aus frühen Silos-Zeiten an der Violine oder Viola. Brothertons Ehefrau Kathy und Tochter Maddy (Klavier bzw. Geige), die wundervolle Amy Allison mit ihrer bittersüßen Stimme sowie der celtic-texanische Musiker EJ Jones (Flöte) besetzen Nebenrollen.

Auf Work: Part Two geht es um die erweiterte erste Silos-Phase zwischen 1985 und 1994. Da war zunächst About Her Steps, das Mini-LP-Debüt von 1985. Dann kam mit Cuba (1987) ein Jahrzehntwerk, das auch in der Nachbetrachtung einen enormen Einfluss auf das No Depression-gefärbte Americana-Genre genommen hat. Und danach das selbstbetitelte Silos (1990), Walter Salas-Humaras einziger Deal mit einem Major (RCA) überhaupt. Aber auch die folgenden beiden Werke Hasta La Victoria (92) und Diablo (94, aka Susan Across The Ocean als US-Pressung) sollten keinesfalls unterschätzt werden! Was für ein willkommenes Wiederhören also mit 10 weiteren Silos-Klassikern der Güteklasse A.

‚Find A Way‘, einer von gleich drei Songs von Hasta La Victoria, startet mit vielen vertrackten Wendungen, sehr kammermusikalisch arrangiert und mit deutlichen Ähnlichkeiten zu R.E.M. ‚A Few Hundred Thank You’s‘ ist einer der beiden ältesten Songs hier im Programm, bietet exquisites Mandolinenpicking, akzentuiertes Guitarstrumming und gekonnten mehrstimmigen Gesang. Beim lockeren Uptempo Folk von ‚My Big Car‘ ragen die deutliche Akkordionbegleitung und ein improvisiertes Acoustic Guitar-Geplänkel im Mittelteil heraus. ‚The Only Story I Tell‘ ist ein vom gleißenden Dobro untermalter Love Song in Campfire Folk-Atmosphäre mit mehrstimmigem Harmoniegesang. Der knappe Acoustic Rocker ‚All Falls Away‘ von Cuba besticht durch seinen Killerchorus und einer Twin Guitar-Jam von Salas-Humara und Brotherton im Break. ‚The Sounds Next Door‘ mit einem ausgesprochenen Wall of Sound vom dominanten Akkordion und mehreren kräftig geschlagenen Gitarren ist die einzige Nummer von Diablo. ‚Here’s To You‘ protzt mit grandiosen, prächtig gesungenen Melodiebögen und überrascht mit einem kurzen Flötensolo von EJ Jones zum Ende. In ‚Start The Clock‘ singt Walter Salas-Humara, begleitet von Amy Allison und unter opulenter Streichergarnierung, über Bewegung in Zeit und Raum – eines seiner Dauerlieblingsthemen. Und natürlich darf auf keiner seiner Platten ein „Frauensong“ fehlen: ‚Picture Of Helen‘ steht klar in der Tradition von ‚Caroline‘, ‚Susan‘, ‚Margaret‘ & Co. Feines Acoustic Guitar Picking und dezente Klavieruntermalung bestimmen hier das Szenario.

Harmonium, Streicher und Gitarren sorgen für ein wahrlich kammermusikalisches Ambiente zum großen Finale: ‚Miles Away‘ – der stimmungsvolle Opener von Hasta La Victoria bildet jetzt den Abschluss von Work: Part Two, einem weiteren hervorragenden Opus dieses charismatischen Ausnahmetalents Walter Salas-Humara. Ob es einen dritten Teil dieser Serie geben wird, hat er noch nicht verkündet. Wenn der vielbeschäftigte Mann mal wieder ein wenig Zeit übrig hat, sollte er sich unbedingt mit Rich Brotherton treffen, um die nächsten Schätze zu heben. Ausgezeichnetes und bestens prädestiniertes Material für ein Works: Part Three gibt es noch reichlich!