01. Juni 2016

Herzlich willkommen in der Blue Rose-Familie: WILLIAM HARRIES GRAHAM!


Mit noch nicht mal 18 ist William Harries Graham aus Austin sicherlich der jüngste Musiker aller Zeiten auf dem Blue Rose-Label. Er gehört zu den großen Hoffnungsträgern der lokalen Szene, in der die alten Heroen noch lange nicht in Rente gehen, die nachfolgenden Generationen aber schon mächtig mitmischen. Dabei ist der Sohn des seit über 30 Jahren dauerhaft aktiven Singer/Songwriters, Rockgitarristen und Charaktertypen Jon Dee Graham sowie der Austin Community College-Lehrerin Gretchen Harries fast schon selber ein „alter Hase“ im Business – schließlich bekam er früh im Alter von zwei Jahren seine erste Gitarre in die Finger, feierte mit Sieben sein Livedebüt vor großem Publikum und wurde kurz darauf zum Gegenstand eines ganz besonderen Tributprojekts, das maßgeblich half, die Kosten zur Behandlung einer seltenen Erkrankung zu decken. William muss seit seinem 7. Lebensjahr mit der seltenen Krankheit Legg Perthes leben, gründete mit 13 Jahren die Painted Redstarts und entwickelte bei unzähligen Live Gigs in den vielen Clubs entlang der 6. Straße oder rechts und links von South Congress seine ganz eigene, stark gitarrengetriebene, von reichlich Talent und unendlicher Leidenschaft geprägte Indie Rockmusik. Foreign Fields heißt nun das verheißungsvolle Studiodebüt – ein absolut gelungener Auftakt für großartige Dinge, die da folgen werden!

Praktisch von Geburt an nahm William Harries Graham am schillernden Musikerleben seines berühmten Vaters teil. Früh war er mit auf Tourneen, die Stars der Szene gingen zuhause ein und aus, etwas anderes, als später selber eine Laufbahn im Rock’n Roll einzuschlagen, kam eigentlich gar nicht in Frage. Bis man bei ihm eine seltene Kinderkrankheit feststellte (Legg Perthes), die das Wachstum seiner Hüftknochen beeinträchtigte und Unsummen an medizinischen Kosten verschlang. Aber die bestens vernetzte Austin Community half im Sommer 2005 – mit einem Topaufgebot im Continental Club und der daraus resultierenden CD/DVD-Veröffentlichung Big Sweet Life mit ausschließlich Songmaterial von Jon Dee Graham, interpretiert von James McMurtry, Alejandro Escovedo, den Resentments, Gourds, Patty Griffin, Ray Wylie Hubbard, Charlie Sexton, Kelly Willis, Bob Schneider u.v.a. Auch Blue Rose hatte damals eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der unglaubliche € 5.000 zusammen kamen. Dass Blue Rose einmal ein Album von William veröffentlichen würde – keine Sekunde wurde daran gedacht.

Selber noch „U18“, hat sich William Harries Graham quasi zum Sprachrohr der Teenager-Musikergeneration in Austin erklärt, betreut redaktionell eine gleichnamige Kolumne im Austin Chronicle und scheint auch als Integrationsfigur in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Musikalisch geht er weit zurück in die 80/90er Jahre und hat – anders als es vielleicht zu vermuten gewesen wäre – mit dem abgeklärten, professionellen Songwriter/Guitar Roots Rock der Elterngeneration oder dem aktuellen TexAmericana-Boom gar nichts zu tun. Foreign Fields kommt aufbruchsfrisch und garagenrockig mit meist kurzen, knappen Stücken daher. Mit den schroffen Gitarrenkanten, klar definierten Riffs, scharfen Rhythmustracks und den verhallten Vocals erinnert der Jungspund zusammen mit seiner Begleitband, den Painted Redstarts, an alte, eher untergründig populäre Austin Acts wie die Wild Seeds, Reivers, Dumptruck, Spoon und Arc Angels – mit mehr als einem Touch von Lou Reed/Velvet Underground, My Bloody Valentine oder The Jesus And Mary Chain.

Neben Bandchef, Gitarrist und Leadsänger Graham bestehen die Painted Redstarts aus der Rhythm Section von Bassist Sam Jackson und Drummer James Caldwell. Die vielbeschäftigte Kollegin Jaimee Harris (Jimmy LaFave, David Ramirez) singt auf etlichen Stücken im Hintergrund. Der bekannte Studioprofi Mark Addison hat die 11 Tracks von Foreign Fields in seinem Studio aufgenommen und produziert. Addison hat ja schon mit namhaften Künstlern wie Ian Moore, Guy Forsyth, der Band Of Heathens, Jess Klein, Honeybrowne usw. zusammengearbeitet, aber von diesem bemerkenswerten Jungen zeigte er sich ganz besonders beeindruckt!

Gleich zu Beginn steht der Titeltrack, eine dräuende, sämige Midtempo-Nummer mit eingängigem Refrain, der sich urgewaltig in die Ohren bohrt. ‚Curtains Wide‘ ist vehementer Electric Rock mit diffusen Vocals und tödlichem Riff, bei ‚Lies‘ wirken treibende Gitarren und eine düster-mollhafte Atmosphäre kontrastreich gegen den melodischen Gesang. ‚Mystical Ways‘, eine frühe Single mit höchstem Wiedererkennungsfaktor, kommt in Gestalt eines herrlich derangierten, rhythmisch vertrackten Indie Guitar/Wave Rocks in bester Shoegazer-Tradition. Das bittersüße ‚Puzzles‘ wurde noch zusammen mit Ex-Mitglied Marlon Sexton (Sohn von Charlie, s. Arc Angels, Bob Dylan, Lucinda Williams) komponiert und ‚Say Goodbye‘ besitzt alle Qualitäten des dritten Velvet Underground-Albums! Mit ‚She’s Got‘, dem einzigen Coversong, schließt sich ein Kreis. Diese Nummer hatte der legendäre Alejandro Escovedo vor vielen Jahren für die True Believers, seine großartige Kultband mit Jon Dee Graham, geschrieben – jetzt singt er sie als Duettgast bei Graham Jr.: nichts weniger als ungestümer texanischer Garagenpunk in Reinkultur! Das kraftvolle, dynamische ‚London‘ hört sich an wie ein kosmopolitischer Soundtrack mit erstaunlich reifer Poetry, während die Aufforderung ‚Watch Over Me‘ vermutlich nicht ganz zufällig den Abschluss dieses tollen Albums bildet. Der Vater singt mit diesem typischen, asphaltrauen Bariton hinter seinem Sohn über atmosphärischen Gitarrenmustern, gleißenden Lap Steel-Einschüben und sakraler Orgel. Natürlich wird er ein Auge auf Williams Karriere haben, er weiß aber auch, dass der schon lange seinen ganz eigenen Weg eingeschlagen hat!

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