05. November 2016

Mailorder-News: JON DEE GRAHAM – Knoxville Skyline

Als wir Jon Dee Graham im März bei seiner wöchentlichen Show im Continental Club in Austin, Texas gesehen und gehört hatten und er in seinem einstündigen Set auch drei neue Stücke präsentierte, gingen wir nach dem Auftritt zu ihm und meinten, dass er bei weiteren sieben oder acht Songs dieser Qualität eines seiner besten Album beisammen hätte. Nun, zu zehn oder gar elf Stücken hat es in der Kürze der Zeit offensichtlich nicht gereicht, und so finden sich auf „“Knoxville Skyline““ nur fünf Songs, die dieses Mini-Album mit zum Besten machen, die der Mann mit der Reibeisenstimme seit seinem Album „“It’s Not As Bad As It Looks““ von 2010 geschrieben hat. Teils rockig (hier allen voran „“Shoeshine Charlie““, schon jetzt ein Klassiker on Grahams Repertoire) und überraschenderweise nicht von seiner „“Haus““-Band, bestehend aus Michael Hartwick, Andrew Duplantis und Joey Shuffield, unterstützt, sondern von der Tim Lee 3. Tim Lee? Kenner werden hellhörig werden, war Lee doch Teil des 80er-Neo-Folk-Duos „“The Windbreakers““. Heute ist er mit seiner eigenen Band unterwegs, bei der seine Frau Susan Bauer Lee den Bass und Chris Bratta das Schlagzeug bedient. Offensichtlich hatte sich in Knoxville, Tennessee, die Gelegenheit gegeben, die neuen Stücke aufzunehmen. Jon Dee Graham, der in seinem Leben nicht immer auf der Sonnenseite gestanden hatte, ist seit einigen Jahren ein zufriedener und ruhiger Mensch, was sich auch auf seine Qualitäten als Songwriter auswirkt. Keine Experimente wie noch auf seinem letzten Album „“Garage Sale““, straight forward ist die Devise, kombiniert mit nachdenklichen Texten und Widmungen („“Dan Stuart’s Blues““ erinnert an die Zeit mit dem ex-Green On Red-Frontmannes, „“Ballad Of Barbara And Steve““ an ein Ehepaar, das Ende der 90er Jahre in San Antonio den Club „“Casbeers““ geführt hatte und die Ehepartner nach der Schließung 2011 innerhalb von drei Jahren gestorben waren). Für eine spontane Session im Top Hat Recording zu Knoxville ist das Ergebnis umwerfend. Schade nur, dass die Zeit nicht für weitere Songs gereicht hatte.