01. April 2016

MARKUS RILL hält sein hohes Qualitätslevel mit Dream Anyway!

Dream Anyway
RILL, MARKUS Dream Anyway CD
€ 14,90


Seit über 18 Jahren beweist der in Frankfurt/Main geborene Markus Rill nachhaltig, dass man nicht zwingend amerikanische Wurzeln in seinen Genen haben muss, um authentische Folk & Country-Songs schreiben und singen zu können. Der beste und kontinuierlichste deutsche Americana-Künstler begeistert mit all seinen verschiedenen Projekten eine stetig wachsende Fangemeinde, genießt ein großes internationales Renommee und ist dabei doch ganz bei sich selbst geblieben – immer bestrebt, sich weiterzuentwickeln. So verwundert es nicht, dass Rill mit seinem brandneuen Werk, seinem insgesamt 10. mit eigenen Liedern, wieder mal die Messlatte höher gelegt hat. Dream Anyway ist ungemein vielseitig geworden, klingt einfach superb und präsentiert einen reifen Musiker zwischen Song-Tiefgang und Rock’n Roll-Appeal auf dem bisherigen Zenit seines Schaffens!

Neben unzähligen Livekonzerten in Deutschland hat Markus Rill allein in den letzten fünf Jahren diese verschiedenen Sachen veröffentlicht: Wild Blue & True 2011 auf Blue Rose, ein starkes Americana & Singer/Songwriter-Werk mit etlichen rockigen Elementen; danach das Duoalbum Light & Dark mit der befreundeten schwedischen New Folk-Künstlerin Annika Fehling, versponnener, leiser Acoustic Alt.Folk mit introvertierter Note; Anfang 2013 – wieder auf Blue Rose – das kapitale My Rocket Ship, ein ausdrückliches Bandalbum mit den Troublemakers; zu Weihnachten desselben Jahres Late Night Drive, ein deutlich akustisch gestaltetes Privatteil, aber weit mehr als eine „“Zwischenlösung““; in 2014 dann Heart & Soul & Rock’n’Roll, eine ambitionierte Trioarbeit mit den deutschen Kollegen Hubert Treml und Franz Schuier zum 65. Geburtstag ihres Helden Bruce Springsteen; im Frühjahr 2015 die umfangreiche Box The Nashville Recordings mit den vergriffenen, komplett in Nashville mit lokalen Topmusikern aufgenommenen Alben Hobo Dream (2004), The Price Of Sin (2006) und The Things That Count (2007).

Und jetzt also Dream Anyway, das die besten Aspekte von Wild Blue & True (Singer/Songwriter, Americana, Folk, Roots) und My Rocket Ship (Teamplay, Rock & Roll, Roots Rock) miteinander verknüpft und auf ein nächstes Level hievt! Offenkundig hat Markus Rill einen neuen Schlüssel für klarere Melodien, markantere Refrains und zwingendere Riffs gefunden. In einer anderen (Radio-) Welt möchte man dabei glatt von „“Hitpotenzial““ sprechen… Außerdem spielen die personell runderneuerten Troublemakers so dermaßen aus einem Guss, bieten sowohl instrumental als auch gesanglich so viele Möglichkeiten, dass man erstmalig ohne weitere Studiomusiker auskam – das gesamte Album wurde in nur sieben Tagen in den 7V Studios in Bockenem aufgenommen!

Bereits ‚Something Great‘ zeigt, dass es sich bei Dream Anyway um Markus Rills bis dato extrovertierteste und in großen Teilen rockigste Produktion handelt. Der Startertrack ist nichts weniger als grandioser Heartland Rock zwischen Mellencamp und Springsteen, treibt früh das Stimmungsbarometer in die Höhe, glänzt mit feinen textlichen Anspielungen an Small Town-Befindlichkeiten und zollt seiner Band, The Troublemakers, Respekt, die gleich furios loslegt. Mit ‚Walk On Water‘ folgt eingängiger Folk Rock mit humorvoll-selbstironischen Lyrics über die kleinen und größeren Lügen im Alltag („“I love you forever unless I don’t““), während ‚The Pauper’s Daughter‘ das Bewahren und Aufgeben von Lebensträumen in Form eines behutsam aufgebauten Folksongs beschreibt. Keyboarderin/Akkordionspielerin Manuela Huber gehört die schöne weibliche Stimme im Hintergrund. Zusammen mit dem Leadgitarristen Marco Hohner bestreitet sie häufig die exquisiten Backing Vocals – ein Mittel, das Markus Rill erstmalig zur Verfügung steht und seine Arrangements um eine wichtige Nuance bereichert.

Wie schon auf den letzten Alben scheut sich Rill nicht, ungewöhnliche, gar problematische Belange anzupacken. So geht es in ‚Caroline’s Confession‘ um die Herausforderung, im Zölibat zu leben, und die daraus entstandenen Zweifel, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. In der spannend konzipierten Nummer mit Akkordeon und Banjo versus zwei elektrische Gitarren glänzt Hohner mit einem konsequenten Rocksolo zum Ausklang. Etwas weiter beschreibt ein Alzheimer-Kandidat in der Storyteller-Ballade ‚Losing My Mind‘ seine fortschreitende Krankheit in ungeschminkten, realistischen Worten. ‚Over Long Ago‘ wird untermalt von behutsamen Klavierakkorden, Basstupfern und sachter Percussion, im Hintergrund weint leise eine Lap Steel, die Zeit scheint still zu stehen – auf geradezu beklemmende Weise wird hier die Musik dem Thema gerecht: Lebenstrauma durch Kindesmissbrauch… In ‚Some Democracy‘ verhandelt Rill seine nachdenkliche, bittere Politik/Gesellschaftskritik mittels düsteren, schleppenden, Banjo-getränkten Americana/Folk Rocks.

Für stimmungsmäßige Abwechslung sorgt seine ungestillte Leidenschaft für die Musik von Buddy Holly. So wird im unbeschwerten, an die Traveling Wilburys erinnernden ‚The Girl In The Polka Dot Dress‘ nicht nur ein feines Slide Guitar-Solo eingebaut, sondern auch ein geschickt platziertes „“not fade away““-Zitat! Das Arrangement im 60er-Stil für ‚Hands Of Mercy‘ bietet klassischen Electric 12-String Sound, breite Harmony Vocals im mitsummverdächtigen Refrain und ein herrlich altmodisches Farfisa Orgel-Solo. Lockeres Country/Folk-Flair verbreiteten dazu der semiakustisch/elektrisch instrumentierte Roadsong ‚Poor Man’s Set Of Wheels‘ über das Glück einer wundervollen Beziehung sowie ‚Roll Along‘, eine entspannte Nummer über das tägliche „“immer weiter““ und die Schwierigkeit, einfach mal innezuhalten.

Dann folgen noch zwei absolute Hits: ‚Better‘, eine Co-Arbeit mit Annika Fehling und dem Londoner Dave Sutherland, ist ein unverschämt ohrenfreundlicher Song mit groß angelegtem Chorus, lauten elektrischen Gitarren, raffiniert eingeflochtenem Akkordeon und einem unwiderstehlichen, im besten Sinn poppigen Refrain. Und der Titelsong ‚Dream Anyway‘ beendet ein außerordentlich kurzweilig gekoppeltes Album mit kernigem Songwriter/Folk Rock im vollen Bandsound der Troublemakers: Chris Reiss an verschiedenen Bassgitarren, Standbass und Bouzouki, Drummer/Percussionist Leonardo von Papp, Manuela Huber mit Orgel, Klavier, E-Piano, Akkordeon und Harmony Vocals, Saitenmann Marco Hohner an diversen elektrischen und akustischen Gitarren, Slide & Lap Steel, Mandoline, Banjo und Harmony Vocals.

Vorneweg überzeugt Markus Rill gleichermaßen als Storyteller und Rock’n Roller, er spielt akustische und elektrische Rhythmusgitarren, Harmonica und Banjo, singt seine Songs mit der ihm ganz eigenen, im Laufe der Zeit allerdings immer wandlungsfähiger ausgebildeten Sandpapierstimme!

Die Vinyl-Ausgabe enthält eine CD mit dem kompletten Album!

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