18. November 2017

MATTHEW RYAN rockt weiter auf Hustle Up Starlings!

Der mit einer ganz besonders attraktiven Stimme gesegnete Singer/Songwriter und Rock’n Roller MATTHEW RYAN begeistert in diesen Tagen seine langjährigen Fans und gut informierte Kritiker mit seinem brandneuen Blue Rose-Album Hustle Up Starlings, einem fulminanten Comeback nach dreijähriger Schaffenspause und gleichzeitig dem Nachfolger zu Boxers von 2014, das ebenfalls auf dem süddeutschen Label erschienen war. Hustle Up Starlings ist schon die 13. Veröffentlichung seit 1997, als sich mit dem Debüt May Day eines der hoffnungsvollsten Versprechen für das Springsteen-meets-Westerberg/Folk Rock/Songwriter-Lager ankündigte. Wenn man sich heute nochmal die ganzen Lobpreisungen für praktisch jedes einzelne Ryan-Werk durchliest, dann wundert es schon sehr, dass der ganz große, ohne Frage verdiente Durchbruch bislang nicht gelang und auch 2017 der Name Matthew Ryan nicht in aller Munde ist, wenn es um ausdrucksstarke, handgemachte, wortintelligente, flüssig ins Ohr laufende und mit einer unglaublich speziellen Reibeisenstimme vorgetragene Singer/Songwriter- und Americana/Rock-Musik geht. Wird also auch Hustle Up Starlings wieder „nur“ ein weiterer Fall für nonkonforme Jahresbestenlisten, euphorische Reviews von coolen Rezensenten und die Herzensaufgabe eines Speziallabels wie Blue Rose werden?! Oder darf es diesmal ein wenig mehr sein? Die Voraussetzungen für ein echtes Matthew Ryan-Erfolgsalbum sind jedenfalls gegeben!!


Aufgewachsen an der US-Ostküste (Pennsylvania, Delaware) zog Matthew Ryan Mitte der 90er in die Szene von East Nashville. Seine ersten verheißungsvollen Werke May Day (97) und East Autumn Grin (2000) kamen sogar bei einem Major Label (A&M) heraus, bevor sich die Situation der großen Plattenfirmen radikal wandelte und Indies immer mehr an Boden gewannen. Ryan brachte bis 2010 gleich 7 weitere Platten zum Teil in Eigenregie heraus, darunter hochangesehene Produktionen wie Concussion (2001), Regret Over The Wires (2003) und Matthew Ryan Vs. The Silver State (2008). Desillusioniert wegen ausbleibender Erfolge verkündete Ryan, dass sein 2012er Album In The Dusk Of Everything sein letztes sein werde und verließ Nashville in Richtung seiner alten Heimat West Pennsylvania. Da mag man es als absolut glückliche Fügung betrachten, dass er kurz darauf mit Brian Fallon, dem Frontmann der bekannten Folk/Punk/Indie Rockband The Gaslight Anthem, zusammentraf und mit ihm eine intensive, schöpferische Freundschaft schloss. Fallon verpflichtete Ryan als Vorprogramm und wollte mit ihm einfach nur Gitarre zu spielen. Doch der fühlte sich geradezu inspiriert, geriet in eine neue Aufbruchsstimmung und träumte von mehr! Was in 2014 zunächst zum grandiosen, an früheste May Day-Zeiten erinnernden Boxers führte, das hierzulande auf Blue Rose erschien. Unter der Produktion von Kevin Salem (Dumptruck, Todd Thibaud, Freedy Johnston, Giant Sand) und mit Salem und Fallon an den elektrischen Gitarren rockte sich Matthew Ryan zurück in die Herzen all derer, für die Bruce Springsteen und die Replacements, Leonard Cohen und The Jam oder Bob Dylan und The Clash keine musikalischen Barrieren, sondern die Wiederauferstehung des Rock’n Roll-Geists in der Singer/Songwriter-Musik bedeuten!

Für Hustle Up Starlings konnte Matthew Ryan seinen Traum realisieren und sich ganz aufs Songschreiben und Singen konzentrieren, während er Produktion, Sound, Arrangements und die komplette Gitarrenarbeit in die profunden Hände von Brian Fallon übergab. Der stellte mit Brian Bequette, Ryan’s ständigem Bassisten seit 2005, und Drummer Brad Pemberton (Ryan Adams & The Cardinals, Steve Earle & The Dukes) eine enorm griffige Rhythm Section zusammen. Dazu buchte man 7 Aufnahmetage in Nashville im Heimstudio des berühmten Gitarristen/Toningenieurs Doug Lancio (John Hiatt, Todd Snider, Patty Griffin), der auf nahezu allen wichtigen Matthew Ryan-Scheiben zuvor selber gespielt hatte. Die größtenteils als One Takes eingespielten Sessions liefen so flüssig und problemlos, dass man das komplette Album bereits nach 5 Tagen fertig im Kasten hatte! Wenige Overdubs mit noch mehr Gitarren von Brian Fallon, David Henry’s atmosphärischen Streichersätzen auf zwei Titeln oder jeweils einem zusätzlichen Gitarrenpart von Lancio bzw. Ryan markierten ein paar I-Tüpfel auf ein sehr konzentriert und fokussiert produziertes Album ohne überflüssige Schlenker nach rechts und links, die nur von der angestrebten, direkten Route ablenken würden.

Mit ‚(I Just Died) Like An Aviator‘ hören wir zum Start forschen, leicht wehmütigen 3-Minuten-Rock’n Roll mit wavigen Gitarrensounds und den brutal heiseren Vocals von Matthew Ryan als sein Markenzeichen, das sich als ein wesentliches stilistisches Element durch das ganze Album ziehen wird. Nach dem Acoustic Folk Rocker ‚Battle Born‘ folgt mit dem Titelsong ein kapitales Statement: ‚Hustle Up Starlings‘ als gespenstische Slow Motion-Ballade mit leise zittrigen Gitarrenmustern und gefühlvollem Reibeisengesang. ‚Close Your Eyes‘ ist einer der wenigen schnellen Geradeausrocker mit transparenten Gitarrenfiguren und stoischem Bass/Drums-Unterbau über nur einem einzigen Riff. Bassist Brian Bequette intoniert ‚Maybe I’ll Disappear‘ ganz leise auf dem Klavier, einige bedrohlich anmutende Geräusche laufen dahinter, während Matthew Ryan in außergewöhnlich überzeugender Manier seine desperaten Lyrics über ständige Einsamkeit und den wiederholten Verlust einer sowieso unguten Beziehung lamentiert. Auch inhaltlich also ein roter Faden, der sich praktisch durch alle Songs hindurchwindet…
Das mächtige ‚It’s A Delicate Waltz‘ leitet die zweite Hälfte ein: ein heiser gehauchter, sich stetig aufschraubender, vibrierender Midtempo-Rocker mit nervös schrammelnden elektrischen Gitarren und unwiderstehlichem Refrain. Der stark abgebremste Zeitlupenrocker ‚Run Rabbit Run‘ dringt gar hymnenartig in Snow Patrol/Coldplay-Gefilde vor, während ‚Bastard‘ zum vielleicht bösesten Hate/Love-Trennungssong des Jahres mutiert. ‚All I Wanted‘ beeindruckt als klagende Lost Love-Nummer in einem rein akustisch gehaltenen Arrangement mit dezenten Streichern von David Henry – „all I wanted was one more chance before closing time“ in intensiver, beklemmender Dauerschleife. Aber so verzweifelt sollte keine Platte enden und deshalb gibt es mit ‚Summer Never Ends‘ noch einen weiteren dieser Matthew Ryan-typischen Electric Rocker mit tollen Laut/Leise-Brüchen, einer wahrlich hymnischen Refrainauflösung wie bei Glen Hansard und herrlich wirbelnden Gitarren über dem druckvollen Backbeat. Es ist eines dieser furiosen Abschlussstücke, die noch sehr lange nachhallen!

Genau 20 Jahre nach seinem Debüt May Day präsentiert sich Matthew Ryan auf Hustle Up Starlings in geradezu bestechender Verfassung mit seinen wahrscheinlich stärksten, weil prägnantesten Texten bislang, von vorne bis hinten durchdachtem Konzept-Songwriting und einer konsequenten, jederzeit schlüssigen musikalischen Umsetzung in einer maßgeschneiderten, druckvoll rockigen Produktion von The Gaslight Anthem’s Brian Fallon. Seine Idee dahinter, nämlich auf der einen Seite dieses Jubiläum in der ihm bestmöglichen Qualität zu begehen, andererseits aber nicht retrohaft nur zurückzublicken, sondern ein absolut zeitgemäßes Produkt abzuliefern, ist mit den 10 Songs von Hustle Up Starlings voll aufgegangen!

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