01. Oktober 2015

Nach langen 6 Jahren endlich ein neues Studioalbum der BOTTLE ROCKETS!

Der Rock’n’Roll der Bottle Rockets mit seinem populistischen, rauen Charme des amerikanischen Mittleren Westens klingt so simpel, dass es nahe liegt, ihn zu unterschätzen. Ein universaler, archetypischer Sound und dennoch eindeutig der Sound der Bottle Rockets. Die Band hat wilde Freitagabend-Crowds gerockt, überzeugte Sitz-Zuhörer auf die Beine gebracht und müde Festival-Besucher bis an den Bühnenrand gezogen. Das zwölfte Album des Quartetts, South Broadway Athletic Club, ist eine Lehrstunde darin, die Schönheit des Lebens einzufangen und Hoffnung zu verbreiten.

South Broadway Athletic Club ist ein Album voll neuer Erfahrungen für die Band. Zwar haben sie wieder mit ihrem langjährigen Produzenten Eric „Roscoe“ Ambel (einst Mitglied von Joan Jett & the Blackhearts, The Del-Lords, The Yayhoos) gearbeitet, doch zum ersten Mal hat die Band ein volles Album in ihrer Heimatstadt St. Louis, Missouri aufgenommen. Die Band buchte über den Zeitraum von mehreren Monaten mehrere Sessions in den Sawhorse Studios, was den Songs – und dem ganzen Album – die Möglichkeit gab, zu reifen und zu gedeihen. Der ausführliche Prozess des Songschreibens hat nicht nur diesen Reifeprozess ermöglicht, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Henningsens, einer hit-schreibenden Familie aus Nashville, am Song „Something Good“. Diese neuen Einflüsse haben die Kreativität und Energie der Band während der Sessions beflügelt und fokussiert, was dem ganzen Album eine neue Dimension der Tiefe verleiht.
Sänger und Gitarrist Brian Henneman kreiert Texte direkt aus seinen Tagebucheinträgen. Das messerscharfe Songwriting des Albums zeigt sich schon in „Monday (Everytime I Turn Around)“ und dem harten, aber herzlichen „Big Lotsa Love“, das auf mitreißenden Wortspielen basiert, die den Hörer mitnehmen auf der Reise durch das Auf und Ab der Welt mit einer geliebten Person. In „Dog“, einem unbeschwerten, ungekünstelten, aber nie anbiedernden Tribut an seinen Hund (getragen von Hennemans neuem Lieblingsspielzeug, einer 12-string Rickenbacker), singt er: „I love my dog, he’s my dog/ If you don’t love my dog, that’s OK/ I don’t want you to, he’s my dog.“ Diese Zen-inspirierte Weisheit geht über das Grundthema der Zuneigung zum Haustier hinaus und vermittelt, dass das Leben manchmal so einfach sein kann.

Der Sound der Bottle Rockets geht immer noch schnellstmöglich in die Blutbahn. Der Rhythmus pulsiert mit Mark Ortmanns Wall-Of-Sound-Schlagzeugspiel und den tiefen Linien von Keith Voegeles Bass. Diese beiden sind Missouris Antwort auf die Swampers von Muscle Shoals – vielseitige Musiker, individuell und immer im Groove. Auf „I Don’t Wanna Know“ verfeinert John Hortons klassisch-rüder Rockgitarrensound einen Song, der ansonsten ein Tom-Jones-Hit über Beziehungslügen sein könnte. Auf „Building Chryslers“ bringen Horton und Henneman die Lautsprecher zum Wackeln mit einem knackigen Gitarrenduell, das in der Plattensammlung gut zwischen Thin Lizzy und Dinosaur Jr. Platz finden könnte. Der Song ist eine faszinierende Charakterstudie, wie sie nur die Bottle Rockets hinkriegen.
In schönen neuen Farben glänzen „Ship It On The Frisco“, ein Southern Soul-Song über Kinder beim Trainhopping, und „XOYOU“, das die kosmopolitische Note der Band demonstriert: ein Nick-Lowe-beeinflusstes Pop-Juwel mit geshuffelten Drums, Handclaps und Harmoniegesang. „Big Fat Nuthin'“ ist eine Ohrwurm über Erschöpfung mit einer Black Flag „TV Party“-Atmosphäre.
In ihrer Karriere ist es den Bottle Rockets gelungen, sowohl Musikverrückte wie auch Zufallshörer zu begeistern. Nach über 20 Jahren klingen sie besser und frischer als je zuvor. Die Geschichte der Bottle Rockets ist eine Erfolgsstory entgegen alle Wahrscheinlichkeit. South Broadway Athletic Club ist so relevant wie ihre frühen Alben; politisch, weil es nicht politisch ist – es bestätigt unsere größten Hoffnungen, indem es sich auf die kleinen Wahrheiten konzentriert.