31. Oktober 2015

STONEY LARUE bedankt sich bei seinen Fans mit dem neuen Album Us Time!

Us Time
LARUE, STONEY Us Time CD
€ 9,90

Mit Stoney LaRue hat das Blue Rose Label einen der wohl interessantesten Vertreter der sogenannten „“Red Dirt““-Zunft unter Vertrag. Nach seinem letztjährigen, rundum gefeierten Erfolgsalbum Aviator legt der gebürtige Texaner und seit langem in Oklahoma beheimatete Musiker nun mit Us Time ungewöhnlich schnell nach. Er passt bestens zu solchen Labelkollegen wie Cody Canada & The Departed, Reckless Kelly, Micky & The Motorcars, Turnpike Troubadours und William Clarke Green, wobei er weniger die satt Roots/Country-rockende Variante anbietet, sondern mit seinem erlesenen, intelligenten Programm eher für eine Art „“Thinking Man’s Red Dirt Music““ steht! LaRue hat nach privaten Nackenschlägen einen ziemlich schwierigen Sommer hinter sich und so kommt das ganz bewusst an Fanwünschen orientierte Us Time gerade rechtzeitig, um das Jahr 2015 mit positiven Nachrichten ausklingen zu lassen, in denen es nur um Musik geht! Denn die ist – wie üblich bei Stoney LaRue – wieder ganz besonders gelungen!!


Vor 38 Jahren im texanischen Taft an der Golfküste geboren, siedelte Stoney LaRue Phillips mit seiner Familie früh nach Oklahoma über. Als Teenager zog es ihn in die pulsierende Szene von Stillwater, die wegen ihres kulturellen Potenzials auch gerne als North Austin bezeichnet wird. Ab jetzt ließ ihn die Musik nicht mehr los. Zwar wohnte er später wie viele seiner Kollegen vorübergehend in New Braunfels, Texas, kehrte aber vor einigen Jahren zurück nach Oklahoma City. In allzu vielen Gegenden des Lone Star States sei es mittlerweile zu schick geworden, man pflege seinen Hipness-Faktor und lasse sich kaum mehr auf die Belange der einfachen Leute ein – so die frustrierende Einschätzung von LaRue. Zuhause in Oklahoma gäbe es noch natürlichen Respekt unter Freunden, Nachbarn, Familie und nicht zuletzt all den Fans, denen er stets auf Augenhöhe begegnet ist und die ihm grenzenlose Loyalität auch in prekären Lebensphasen erwiesen haben. So verwundert der hohe Liveanteil seiner ersten Veröffentlichungen nicht, bei 250-300 Gigs pro Jahr war schließlich kaum Zeit für Studioarbeit. Sein 2002er Debüt Downtown resultierte aus einem Konzert im legendären Cain’s Ballroom in Tulsa, Oklahoma, 2007 folgte Live At Billy Bob’s Texas und zwei Jahre später Live Acoustic. Dazwischen stand nur ein einziges Studioalbum zu Buche, das allerdings – passenderweise The Red Dirt Album betitelt – in 2005 wie eine Bombe in der Community einschlug und sich als Referenzwerk bewährt hat! Mike McClure, quasi der „“Pate der Szene““, war der Produzent, prominente Kollegen wie Cody Canada, Ray Wylie Hubbard, Bob Childers und Brandon Jenkins hatten bei den Songs geholfen – Stoney LaRue war fortan in aller Munde, wenn es darum ging, Red Dirt Music näher zu definieren. Vielleicht verpasste er es gerade in dieser Zeit, daraus richtig Kapital zu schlagen. Jedenfalls sollte es ganze 6 Jahre dauern bis zu seinem zweiten Studioalbum. Velvet wurde in Nashville mit lokalen Topmusikern eingespielt und von den Profis Frank Liddell (Chris Knight, Pistol Annies, Lee Ann Womack) und Mike McCarthy (Patty Griffin, Wade Bowen, Jim Lauderdale) produziert. Der vielseitig angelegte Americana/Country/Roots Rock mit seiner geschmeidigen, klaren Stimme und den melodiösen Songs im Vordergrund sorgte für mehr Radioplay und eine größere Medienwahrnehmung, schien aber den ein oder anderen Red Dirt-Anhänger zu irritieren. Ende 2014 kam das dritte Studioalbum Aviator unter genau denselben formalen Vorgaben heraus: wieder Nashville, die identischen Produzenten, nahezu die gleichen Studiomusiker. Freilich musste sein Publikum jetzt eine noch radikalere Abkehr von alten Red Dirt-Mustern akzeptieren, denn LaRue hatte sich soundmäßig für wesentlich mehr Country mit deutlich weniger Ecken und Kanten entschieden. In den Texten dagegen ging es oft düster und desperat zu; so versuchte er, gleich in mehreren Songs seine Scheidungssituation zu verarbeiten.

Us Time, Stoney LaRue’s 7. Album insgesamt, bietet jetzt alle Voraussetzungen, um die Kluft zwischen dem zuletzt eher pflegeleicht klingenden Stoff und seinen immer noch nach staubiger Small Town-Atmosphäre riechenden Live Shows zu kitten. Die Grundidee, seine ungebrochen treuen Fans („“The LaRue Crue““) voll mit einzubinden und über soziale Netzwerke Titelwünsche platzieren zu lassen, führte zu einer enormen Liste, aus der LaRue letztlich 11 Tracks wählte, um sie erstmalig als Studioversionen aufzunehmen. Darunter sind zwei neue eigene: der Mellencamp-style Rocker ‚Easy She Comes‘ und der melodische Titelsong als getragene Crooner-Ballade mit Slide Guitar-Riff und feinsinnigem Refrain. Mit der Brandon Jenkins-Kultnummer ‚Feet Don’t Touch The Ground‘ und Michael Hosty’s Staatenhymne ‚Oklahoma Breakdown‘ gibt’s gleich zwei Crowd Favorites, das mit Jenkins zusammen komponierte ‚Til The Morning Comes‘ kennt man ähnlich rockig nur von einem älteren Jenkins-Album. Ja, und dann all die tollen Fremdtitel: Gleich zum Start der nicht so bekannte Jim Croce-Song ‚Box #10‘ in einer zwingenden Heartland-Version, gefolgt von Van Morrison’s Klassiker ‚Into The Mystic‘ – immer eine echte Herausforderung für jeden Sänger, aber nicht für LaRue, der über einem lockeren Country/Folk Rock-Teppich seine ganze stimmliche Extraklasse ausspielt. ‚Empty Glass‘ von Dean Dillon/Gary Stewart gilt als vergessene classic Outlaw-Killerballade, ‚Seven Spanish Angels‘ kommt als beeindruckendes, Slide Guitar-unterstütztes Duett mit Cody Canada frei nach der 30 Jahre alten Originalversion von Willie Nelson & Ray Charles. John Hiatt’s ‚Train To Birmingham‘ wird zu einer waschechten semiakustisch/elektrischen Americana-Nummer und zu guter Letzt brilliert Stoney LaRue auf ‚Wichita Lineman‘, jenem Jimmy Webb-Hit für die Ewigkeit, den man schon tausendmal gehört hat, aber wohl kaum beseelter gecroont als hier!

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Der bekannte R.S. Field (Webb Wilder, Billy Joe Shaver, Sonny Landreth, Todd Snider, Allison Moorer, Hayes Carll, Steve Earle) hat in Nashville und Austin produziert, die ideal mit renommierten Musikern besetzte Studioband besteht aus den Gitarristen David Grissom und Kevin Sciou, Steve Conn mit Keyboards & Akkordion, Warren Hood an Geige oder Mandoline sowie der Rhythm Section mit Casey Twist am Bass und Greg Morrow als Drummer.

Auf Us Time wird die Eleganz und Professionalität vergangener Produktionen zwar geschickt fortgesetzt, aber dank R.S. Field mit mehr Spontaneität und Direktheit verknüpft. Die LaRue Crue, die von der Titelauswahl bis zu den 21 Einzelfotos auf dem Cover maßgeblichen Einfluss hatte, wird das zu schätzen wissen. Und Stoney LaRue, der noch im Sommer eine längere Auszeit genommen und Konzerte gestrichen hatte, um sein Leben nach einem privaten Eklat mit polizeilichem Verfahren und anschließender Therapie neu zu sortieren, scheint wieder in der richtigen Spur zu laufen. Er ist zurück mit klasse Musik!!

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