06. November 2017

SUSTO – ein weiterer Hochkaräter des schwedischen Rootsy-Labels!

& I'm Fine Today
SUSTO & I'm Fine Today CD
€ 14,90

SUSTO ist eine noch relativ neue, über den Atlantik hinaus weitgehend unbekannte Band aus Charleston, South Carolina, die sich nun anschickt, mit ihrem zweiten Studioalbum & I’m Fine Today die Welt zu erobern – und das mit einem sehr originellen Americana-Mix aus Modern Indie Pop und Alt.Country/Songwriter Rock! So reiht das Quintett um die beiden Masterminds Justin Osborne und Johnny Delaware 11 selbstgeschriebene Songs aneinander, die aufs erste Hören kaum unterschiedlicher sein könnten, sich am Ende aber zu einem spannenden, abwechslungsreichen Album zusammenfinden, das in den Staaten seit Monaten für Furore sorgt und nun auch bei uns einschlagen wird! Susto besticht mit einer enorm frischen, dynamischen Aufbruchsmusik, in der mutig viele Elemente miteinander verknüpft werden, die zunächst vermeintlich gar nicht zwingend zusammenpassen wollen, schließlich aber etwas ganz Eigenes ergeben, in dem zwar klassisch der Song/das Songwriting als Basis steht, die formale, instrumentelle und klangliche Umsetzung allerdings viele Ausrufezeichen setzt!


Nach mehreren regional erfolgreichen Jahren mit seiner Band Sequoyah Prep School und ihren drei Alben zwischen 2005 und 2008 gönnte sich Justin Osborne eine längere Auszeit in Kuba, ließ sich in den vielen Latin Music Clubs den Kopf durchpusten und schöpfte neue Inspiration und Kreativität. Zurück in Charleston begann er an einem groben Konzept für Susto zu arbeiten, als ihn sein Produzent Ryan „Wolfgang“ Zimmerman (Brave Baby, Jordan Igoe, Grace Joyner, Band Of Horses) mit dem kürzlich aus Austin hergezogenen Singer/Songwriter/Gitarristen Johnny Delaware bekannt machte. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und bilden seither den künstlerischen Kern der Band. Susto ist in etwa ein Fachausdruck für eine vorwiegend in Lateinamerika vorkommende psychische Massenkrankheit, die in Panik mündet, wenn „die Seele den Körper verlässt“. Derart furchterregend muss man sich die Musik von Susto nun gar nicht vorstellen! So begeisterte ihr gleichnamig betiteltes Debütalbum aus dem Frühjahr 2014 die einschlägigen Medien von NPR bis No Depression noch sehr mit einer fast konventionell gestrickten, dabei hervorragend gelungenen Mischung aus Singer/Songwriter-Musik auf Folk- und Country Rock-Basis mit spacigen Cosmic Americana-Ausflügen.

Auch Band Of Horses-Leader Ben Bridwell wurde zu einem großen Susto-Fan und beeinflusste Osborne und Delaware möglicherweise indirekt in ihrer Experimentierfreudigkeit und Kreativität im Studio und bei den aufwändigeren Songarrangements für & I’m Fine Today. Schon der Opener ‚Far Out Feeling‘ wartet mit locker pulsierenden Rhythmen, perlenden Keyboards, opulenten Streichereinsätzen, clever angeordneten Blasinstrumenten sowie weiblichen Backingstimmen auf. Im starken Kontrast dazu folgt der melodische, harmonieselige Country Rock von ‚Hard Drugs‘ mit schonungslosen Lyrics über Trennung und Einsamkeit. Oft werden unbequeme Themen verhandelt: z.B. im selbsterklärenden, riffstarken ‚Gay In The South‘ oder im eingängigen, mit intelligenter Instrumentierung ausgestatteten Schlüsselsong ‚Cosmic Cowboy‘ das Infragestellen von Gott. In den Südstaaten, wohlgemerkt! ‚Havana Vieja‘ packt kubanische Motive in einen von aufregenden Soundlandschaften durchzogenen Kurzfilm, das folkig-akustisch beginnende ‚Diamond’s Icaro‘ lebt später von psychedelischen Orgelschüben und verklärten Gesangskulissen. Die komplexe, im Zentrum des Albums positionierte Powerballade ‚Mountain Top‘ entwickelt sich zum Ende abrupt zu einem vehementen Alternativrocker mit heftigen Rhythmen und plakativem Sprechgesang. Das vertrackte, beat-heftige, mit Synthesizerschleifen durchzogene ‚Jah Werx‘ bildet dann den kurzen, fulminanten Schlusspunkt in allerfeinster Bon Iver-Manier. Andere Koordinaten, die den endlos scheinenden musikalischen Susto-Kosmos wenigstens annähernd beschreiben können, sind Wilco, Band Of Horses, The Head And The Heart, Delta Spirit, Lumineers, Blitzen Trapper, Okkervil River, Bon Iver, The National, Elliott Brood, The Low Anthem, Califone und My Morning Jacket.

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