28. Februar 2018

THE HIGH LINE RIDERS sind zurück mit ihrem zweiten Blue Rose-Album Walking Home!

Es muss ja nicht immer eine Ewigkeit dauern… Diesmal beschert uns Mastermind Ed Pettersen bereits drei Jahre nach der überraschenden Reaktivierung seiner alten Band, The High Line Riders, den nicht minder prächtig gelungenen Nachfolger zu Bumping Into Nothing: Walking Home bietet eine edle, stilistisch absolut zeitlose Mischung aus handgemachtem Rock’n Roll, dynamischem Country Rock und beherzten Folk Roots-Nummern – ein süffig dahinfließender, jederzeit ohrenfreundlicher Mix, der die Herzen von 70er Retrofans bis zu hippen Americana-Zeitgeistern gleichermaßen höher schlagen lässt! Ed Pettersen: „Artist, Writer, Producer“ steht groß auf seiner Homepage. Drei nüchterne Schlagworte, die den vielen verschiedenen Aktivitäten des mittlerweile Mittfünfzigers nur ansatzweise gerecht werden. Die High Line Riders sind denn auch nur ein Projekt von vielen in einer langen Karriere – aber sie sind aktuell sein wichtigstes, das, was ihm am meisten Spaß bereitet, wo er sein ganzes Herzblut reinsteckt. Das ist auf Walking Home in jeder Note, in jedem Riff zu spüren!


Ed Pettersen, ein gebürtiger New Yorker mit norwegischen Wurzeln, begann seine musikalische Laufbahn Mitte der 90er als Folkie und Singer/Songwriter, sozialisiert durch die Outlaw Country Music in seinem Elternhaus, selbstentdeckten Vorbildern wie Pete Townsend und Paul Westerberg bis hin zu Bruce Springsteen, Oasis und Steve Earle. Während seines 1995er Debüts Desperate Times gehörte er bereits zum Freundeskreis der Brandos und Del Lords, zwei der angesagtesten NYC-Acts jener Zeit. 1997 markierte den überregionalen Durchbruch mit den High Line Riders und dem allseits hervorragend bewerteten Album Somewhere South Of Here. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Pettersen damals aber nicht regelmäßig touren und die Ära mit den Riders ging deshalb allzu schnell zu Ende. Anfang des neuen Jahrtausends zog er in seine neue Heimat Nashville, spielte Pop Rock mit The Strangelys und widmete sich der Aufbereitung frühen, zum Teil unveröffentlichten Materials. Dazu war Pettersen auf Tribute-Alben für Waylon Jennings und Uncle Tupelo vertreten, hatte 2006 als Produzent und Musiker maßgeblichen Anteil an der Verwirklichung des epochalen 3CD-Werks Song Of America, auf dem er zusammen mit zahlreichen prominenten Kollegen (John Mellencamp, Blind Boys Of Alabama, Black Crowes, Mavericks, Andrew Bird, Old Crow Medicine Show…) 500 Jahre amerikanische Geschichte aufbereitete. Dieses Projekt sollte ihm sogar mehr Anerkennung verleihen als sein gesamter Output zuvor. Auf dieser Erfolgswelle schwimmend realisierte er 2007 sein erstes Album mit neuen Aufnahmen seit 10 Jahren: The New Punk Blues Of… bot wieder mal exquisite, handgemachte Tracks aus eigener Feder im Grenzbereich von Großstadt-Folk und Songwriter/Rock.

Im aktuellen Jahrzehnt ist Ed Pettersen in seiner Kreativität kaum zu bremsen. Als Mad King Edmund beschäftigt er sich mit Experimental Jam Rock, Noise Improv, Electronic Americana und Jazz. Sein 2012er Großwerk Happening: A Movement In 12 Acts kommt als hochpolitische, Occupy-nahe Free Jazz-Operette mit Rezitationen von Walter Egan, Charles Walker, Suzy Bogguss, Freedy Johnston, Mary Gauthier, Matthew Ryan u.v.a. Nach Erkundungen bei seinen Vorfahren entsteht 2013 I Curse The River Of Time: A Norwegian American Tale. Die aufwändig als Hardcover-Kunstbuch veröffentlichte Sonderedition kombiniert den wunderschönen, in Nashville mit lokalen Topleuten und norwegischen Gastmusikern eingespielten Americana Folk mit skandinavischer Literatur und Illustrationen. Ein weiteres Baby heißt Nashville Electric. Auf bereits zwei Alben wird dem Hörer mit experimentellen Feedback/Drone/Psychedelic/Electronic Instrumentals ziemlich viel abverlangt! Und jüngst hat sich Ed Pettersen für einige Events gar mit dem bekannten Avantgarde/Freestyle Rock-Gitarristen Henry Kaiser zusammengetan!

Ganz im Sinn der Label-Ideologie kümmert sich Blue Rose Records natürlich um den straighten, klar Gitarren-dominanten American Rock’n Roll der High Line Riders! So veröffentlichte man bereits Bumping Into Nothing, jenes Band-Comeback nach 18 Jahren, mit dem sich Pettersen Anfang 2015 in der blühenden Roots Rock/Americana-Szene eindrucksvoll zurückmeldete. Und legt jetzt mit dem sogar noch variantenreicheren Walking Home konsequent nach! Gleich zur Eröffnung liegt die Messlatte mit dem kompakt rockenden ‚One More Tomorrow‘ schon sehr hoch. Das ist unwiderstehlicher uptempo Roots Rock mit singenden Gitarren, kräftigen Lead Vocals und einer klasse Hookline in nicht einmal 3 Minuten! Der typische Ed Pettersen-Storyteller Song ‚A Long, Hard Fall‘ besticht mit seinem hart getriebenen Rhythmus, Folk-Harmonica, schwellenden Keyboards und omnipräsenter Slide Guitar. ‚Maureen‘ – ebenso wie später ‚I’m Not The Man She Thinks I Am‘ – kommt als klassischer Country Rock der 70er: In einem sehr, sehr Westcoast-lastigen Gesamtsound lassen Poco, die Flying Burrito Brothers und New Riders heftig grüßen. ‚Every Time I See Your Face‘ ist ein leicht waviger/pub-rockiger Titel frei nach Graham Parker & The Rumour, verfeinert mit dem Power Pop der Smithereens. Sowohl ‚There’s People Out There‘ (mit kundiger Slide Guitar von Danny Flowers) als auch ‚The Saddest Girl In The World‘ erinnern an die opulente Springsteen-style Balladen-Power von ‚The River‘. Beide Stücke verstärkt Singer/Songwriterin Garrison Starr mit Harmony Vocals. Ganz im Zentrum des Albums steht der Titelsong als wunderbar sämige, Pedal Steel-getränkte Sehnsuchtsnummer. Die junge Norwegian/Americana Folkfrau Ida Jenshus singt zauberhaft im Duett, mehr Country wird es nicht werden! Voll im Kontrast hören wir danach den druckvollen Soul Rock von ‚Our Little Secret‘. Über einem regelrechten Bigband-Arrangement mit Horn Section und gospeligem Frauenchor thront Pettersen in wahrer Shouter-Manier. Dagegen präsentiert sich ‚It Hurts To Ask‘ – gesanglich unterstützt von Freedy Johnston – als knackiger Garagenrocker irgendwo zwischen Flamin‘ Groovies und Del Lords, und auch das dann tatsächlich mit dem kultigen Del Lords-Weggefährten Scott Kempner gemeinsam komponierte ‚Another Bad Goodbye‘ bietet reichlich 60er Retro-Flair mit dylanesken Zügen. Zum Finale gibt’s dann noch einen richtig ruppigen Country Rock-Ritt mit Tendenz zum Cowpunk inklusive Slide Guitar vs. Pedal Steel Duell: ‚Goin‘ Home‘!

Obwohl Walking Home über weite Strecken nach den Clubs von Manhattan und Brooklyn klingt, dazu öfter den Pioniergeist des Westcoast Country Rocks aufleben lässt, handelt es sich formal um eine reine Nashville-Angelegenheit. Ed Pettersen hat die 12 selbstgeschriebenen Songs in seiner Wahlheimatstadt mit bekannten lokalen Topmusikern eingespielt und produziert, auch die vielen illustren Gastmusiker leben oder arbeiten hier. Derzeit spielen die High Line Riders als Quintett mit Pettersen (Guitars, Keyboards, Vocals), Gary Goodlow (Guitars), Atom Schmitt (Pedal Steel, Lap Steel), Kevin Hornback (Bass) und Mike Bailey (Drums). Auf ein paar Stücken hören wir eine etwas ältere Riders-Ausgabe mit dem bekannten Pete Abbott am Schlagzeug und dem noch berühmteren Bassisten David Hungate, dessen Spuren sich gar bis zu Toto zurückverfolgen lassen, der aber längst in der Americana-Gemeinde Unterschlupf gefunden hat. Es liegt auch an der hohen Qualität all dieser Details, dass Walking Home so stark geworden ist!

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