29. Februar 2016

THE SILOS-Frontmann WALTER SALAS-HUMARA ist zurück mit neuem Album!

Nein, natürlich sind die legendären Silos noch lange nicht begraben, aber von Zeit zu Zeit hat ihr charismatischer Frontmann einfach Lust, sein nicht zwingend bandtaugliches Material oder andere Sonderprojekte unter eigenem Namen zu veröffentlichen: Walter Salas-Humara! Jener Name klingt so unverwechselbar wie der Mann dahinter. Bereits vor gut 30 Jahren trat dieser äußerst wandlungsfähige Künstler als Mastermind der Alt.Country Rock-Pioniere The Silos erstmalig in Erscheinung. Seither hat Salas-Humara nicht nur diese Kultband ständig wiederbelebt und mit ihnen reichlich Platten produziert, sondern an bemerkenswert vielen verschiedenartigen Projekten mitgewirkt. Zuletzt hatte Blue Rose im Sommer 2014 Curve And Shake veröffentlicht, nach über 18 Jahren mal wieder ein Non-Silos-Soloalbum. Und jetzt folgt mit Work: Part One schon gleich das nächste. Es handelt sich dabei um eine komplette Neubearbeitung entscheidender Songs aus einer ganz bestimmten Phase seiner langen Karriere – nicht der unwichtigsten… Work: Part One bietet nämlich ausschließlich Material der ersten drei Silos-Überwerke – in spannend anderen, komplett akustischen Arrangements, wie geschaffen für die aktuelle Alt.Folk/Americana-Szene!


The Silos aus New York, mit Walter Salas-Humara im Kreativzentrum als Songwriter, Gitarrist und Leadsänger, gehörten ab 1985 zur besonderen Gruppe all jener Critics‘ Darlings-Bands, die – ähnlich wie Velvet Underground, die späten Byrds, Television, die Feelies oder Green On Red – einfach zu gut und ihrer Zeit voraus waren, um ihre eminent einflussreiche Musik so verkaufen zu können, wie sie es verdient hätten. Sie standen für sensiblen, klugen, einprägsamen amerikanischen Indie Pop-goes-Alt.Country Rock der Königsklasse, der die Rezensenten begeisterte und sich in den Jahreslisten der einschlägigen Rock-Magazine platzierte. Die 90er Jahre waren geprägt von Salas-Humara’s Rastlosigkeit und Experimentierfreude. Häufige Ortswechsel zwischen New York, Los Angeles und der pulsierenden Szene von Austin sorgten für permanente Umbesetzungen und hatten musikalische Brüche und Neuorientierungen zur Folge. Mit dem Boom von Alt.Country, No Depression und Americana waren die Silos jetzt eine Band unter vielen und mussten sich ihren Platz im großen Pool erst wieder zurückerobern. Und das geschah ab dem neuen Millennium bei Blue Rose mit einer beeindruckenden Serie von gleich mehreren starken Alben zwischen 2001 und 2006 bzw. dann wieder ab 2011 mit dem famosen Florizona. Und danach mit dem erwähnten Soloalbum Curve And Shake. Walter Salas-Humara hatte seinen ungebrochenen Status als wichtiger Musiker im Independent-Bereich und als Darling der Alt.Americana/No Depression-Szene erneut kräftig untermauert

War Curve And Shake noch geprägt von stilistischen Wendungen und atmosphärischen Brüchen, auch bedingt durch eine abenteuerliche Kopplung verschiedener Aufnahmesessions mit jeweils anderen Musikern, so überrascht Walter Salas-Humara auf Work: Part One mit einer vollkommen homogenen, organisch gewachsenen, reifen Produktion aus einem Guss! In enger Zusammenarbeit mit dem bekannten, erfahrenen Multiinstrumentalisten und Produzenten Rich Brotherton hat Walter Salas-Humara eine echte Sternstunde seiner Recording-Laufbahn erwischt! Brotherton gehört zu den wahren „“local treasures““ von Austin, wenn es darum geht, den Sidekick für einen Singer/Songwriter zu geben, der im Aufnahmestudio nach Wohlfühlklima und größtmöglicher musikalischer Kompetenz sucht. So hat er seine Duftmarke schon auf Alben von Bruce & Charlie Robison, Robert Earl Keen, Caroline Herring, Mary Gauthier, Eliza Gilkyson u.v.a. hinterlassen. Hier übernimmt er gleich die Universalfunktion eines ganzen „“Americana-Orchesters““, indem er alternativ zur zweiten akustischen Gitarre auch Mandoline, Dobro, Banjo oder Zither spielt sowie die Harmony Vocals bestreitet, das öfter zusammen mit der wundervollen Amy Allison. Dazu hören wir eine gute Freundin an der Violine oder Viola: Mary Rowell war auf den meisten Silos-Platten dabei, hat speziell den frühen Schätzen ihren persönlichen Stempel aufgedrückt!

Oh ja, diese ersten Silos-Alben… – darum geht es auf Work: Part One! Da war zunächst About Her Steps, das Mini-LP-Debüt von 1985. Dann kam mit Cuba (1987) ein Jahrzehntwerk, das auch in der Nachbetrachtung einen enormen Einfluss auf das frühe, noch deutlich untergründige, No Depression-gefärbte Americana-Genre genommen hat. Und zum Abschluss einer der grandiosesten Trilogien des Indie Rocks das selbstbetitelte The Silos (1990), Walter Salas-Humaras einziger Deal mit einem Major (RCA) überhaupt. Was für ein lustvolles Wiederhören also mit genau diesen 10 Silos-Klassikern: das kompositorisch vertrackte ‚Going Round‘, ‚For Always‘ in einer sensiblen Chamber Folk-Version, das 6-minütige ‚I’m Over You‘ mit rockin‘ & twangin‘ Twin Acoustic Guitar-Picking, ‚Shine It Down‘ im straighten Acoustic Folk Rock-Gewand; dann natürlich all die „Frauentitel“ – das Dobro-untermalte ‚Susan‘ gleich als Opener, später ‚Mary’s Getting Married‘, ‚Caroline‘ und ‚Margaret‘ im dezenten Stringband-Arrangement mit Geige und Mandoline. Fehlt da noch etwas?! Jawohl, zwei weitere Killer: die bizarre Story von ‚Commodore Peter‘, hier mit pluckernder Banjo-Begleitung und bittersüßen Harmony Vocals von Amy Allison; und zum großen Finale ‚Tennessee Fire‘ in einer 6:15-langen Alt.Folk/Storysong/Acoustic Jam Rock-Session der Extraklasse – „driving by the moonlight, haven’t seen a service station in about fifty miles or so, I sing along to the radio“.

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