03. September 2017

THE WYNNTOWN MARSHALS feiern ihr 10-jähriges Jubiläum mit der Werkschau After All These Years!

After All These Years
After All These Years
CD
€ 14,90
Die Wynntown Marshals haben in ihrer zehnjährigen Bandgeschichte bisher drei Alben veröffentlicht. Sie feiern dieses Jubiläum mit After All These Years, einem Rückblick auf die Highlights ihrer bisherigen Veröffentlichungen. Unter den 16 Songs sind auch drei neue Aufnahmen, die den Weg bereiten für das nächste Kapitel der Bandgeschichte.


Die Marshals veröffentlichten ihre eigenfinanzierte Debüt-EP im Jahr 2008. Kurz darauf wurden sie von einem Plattenlabel aus New Jersey dazu eingeladen, einen Song für ein „Hair Metal“-Tributalbum beizusteuern: Die Marshals interpretierten „Ballad Of Jayne“, die Hommage der L.A. Guns an Jayne Mansfield, als Roots-Rocker mit Pedal Steel, 12-String-Gitarren und einer twangenden Telecaster. Dieses Cover überzeugte den legendären britischen Radiomann „Whispering“ Bob Harris, der die Single häufig spielte und die Band in seiner Radiosendung auf BBC2 vorstellte. Dies führte zu einer Livesession in der Sendung, die der Band eine Menge Türen in Großbritannien und dem Rest von Europa öffnete.

Westerner – das Debütalbum der Band – wurde im Mai 2010 veröffentlicht und erhielt begeisterte Kritiken in Europa und anderswo. Die belgische Webseite „RootsTime“ nannte es „das beste alt.country Album, das je aus Europa kam“. Die Marshals gingen auf Tour und erspielten sich in Großbritannien, den Niederlanden, Spanien und Deutschland eine treue Fangemeinde. Außerdem traten sie mit Jason & The Scorchers, Richmond Fontaine und Chuck Prophet auf.

Leider erwies es sich als schwierig, die Band zusammenzuhalten. Auf The Long Haul, das 2013 erschien, wurden Frontmann und Hauptsongschreiber Keith Benzie und Iain Sloan (der nun neben Pedal Steel auch Leadgitarre spielte) von Bassist Murdoch MacLeod und Drummer Kenny McCabe begleitet. Kritiker und Fans waren sich einig, dass das Album einen Schritt nach vorn für die Band bedeutete; Songwriting, Instrumentierung und die Arrangements waren ambitionierter und überraschender.

Der neue, verbesserte Sound der Marshals fiel auch Europas führendem Roots & Americana-Label Blue Rose auf – sie nahmen die Band unter Vertrag. Die Presse in Europa und den USA war begeistert. Auf der Liste des Sunday Herald der 50 besten schottischen Alben von 2013 landete The Long Haul auf Platz 10.

2015 veröffentlichte Blue Rose The End Of The Golden Age, bei dem Keyboarder Richie Noble erstmals an Hammondorgel, Piano und Synthesizer zu hören war. Nach weiteren Tourneen in Europa begannen die Sessions für ein neues Album 2017 mit einer neuen Rhythmusgruppe: Drummer Simon Walker und Bassist David McKee.

Die Texte der Band sind stets interessant, worum es geht aber zuweilen nicht offensichtlich. Melancholische, aber dennoch erfrischende Melodien werden von klaren Gitarren und umwerfendem Chorgesang unterstützt, von hübschen Keyboardparts verziert und fußen auf einer grundsoliden Rhythmusgruppe. Früher wurden die Marshals die „Masters Of Midtempo“ genannt, heutzutage gelingt ihnen auch herzerwärmender, frischer Powerpop.

Diese Sammlung enthält für jeden etwas: Nostalgieselige Texte treffen auf Jingle-Jangle-Gitarren und umwerfende Pop-Hooks wie auf „Canada“ und dem Titelsong von „The End Of The Golden Age“. Die bereits erwähnte „Ballad Of Jayne“ – exemplarisch für den frühen Sound der Band – ist ebenso zu hören wie der Fan-Liebling „Low Country Comedown“. Dieser Track ist emblematisch für die Marshals, eine bittersüße Ode ans Leben on the road mit kräftigen Gitarren, wehmütiger Steel und verwaschener Orgel. Außerdem gibt’s den ausufernden Live-Favoriten „Tide“ und Sänger Benzies romantischen Tribut an West Lothian, das im schwelgerischen Americana-Panorama von „Red Clay Hill“ besungen wird. Das Synthie-dominierte Being Lazy zeigt eine andere musikalische Seite der Band, während Text und Songwriting auf gewohntem Niveau bleiben.

Storysongs sind schon von Anfang ein fester Bestandteil des Marshals-Sounds – natürlich sind davon auch einige vertreten: Ein frühes Beispiel ist „11:15“ von der Debüt-EP, das die Geschichte der größten Flut der jüngeren Geschichte Großbritanniens erzählt, die 1829 Aberdeenshire heimsuchte. Die B-Seite „The Burning Blue“ von 2009 erzählt von der Luftschlacht um England im Zweiten Weltkrieg aus Sicht eines Spitfire-Piloten. Der Country-Shuffle „Snowflake“ ist möglicherweise der einzige Americana-Song über einen gefangenen Albino-Gorilla. „Moby Doll“ ist ein langsamer, todtrauriger Song über den ersten gefangenen Orca-Wal, erzählt aus der Perspektive eines von seinem Gewissen gepeinigten Journalisten. „Thunder In The Valley“ versetzt den Zuhörer mit seiner Atmosphäre in die High Sierra der Nationalparks in Kalifornien. „Curtain Call“ ist reduziert auf akustische Gitarren, Piano und ein Streichquartett – die richtige Besetzung für eine tragische Geschichte um Selbstmord im viktorianischen Zeitalter.

Die unveröffentlichten Tracks auf After All These Years sind eine Freude für alte und neue Fans. Zwei davon wurden als mögliche Kandidaten für das nächste Studioalbum aufgenommen – mit dem langjährigen Produzenten Andrew Taylor als Drummer. Das sehr persönliche „Your Time“ – klassischer, optimistisch stimmender Marshals-Powerpop mit Gitarren und Orgel – bietet Reflektionen über das Vergehen der Zeit in einer Beziehung. „Odessa“ ist ein atmosphärisch sich aufbauender Song über eine Beziehung, die nicht von Dauer war. Die Neuaufnahme des frühen EP-Tracks „Different Drug“ enthält ein hinreißendes, langes Outro – ein weiteres Beispiel für den einzigartigen Sound, den die Marshals in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben.

After All These Years ist eine abwechslungsreiche, freudige, nostalgische, intelligente Sammlung – eine Retrospektive, eine Erinnerung an ein Jahrzehnt des Musikmachens und ein Ausblick auf das, was in der Zukunft dieser entschlossenen, hart arbeitenden Band liegen könnte.

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