07. Mai 2016

WALTER SALAS-HUMARA legt nach mit einem brandneuen Studioalbum: Explodes And Disappears!


Walter Salas-Humara scheint richtig Gefallen an seiner erst vor wenigen Jahren reaktivierten Solokarriere zu finden! Wie versprochen gibt es tatsächlich nur zwei Monate nach Work: Part One schon wieder etwas Neues vom Mastermind der legendären Alt.Country Rock-Pioniere The Silos! Anders als jenes Album mit von Grund auf überarbeiteten Versionen alter Kultsongs aus der Silos-Frühphase handelt es sich bei Explodes And Disappears um völlig neues Material – 10 brillante Stücke, die den charismatischen Singer/Songwriter als hervorragenden Autoren wahrhaftiger Short Stories, talentierten Komponisten besonderer Indie Pop-Melodien und team-engagierten Leader unterschiedlich zusammengesetzter Studiobands präsentieren. Und: Explodes And Disappears rockt an den richtigen Stellen!

Die Silos aus New York, mit Walter Salas-Humara im Kreativzentrum als Songwriter, Gitarrist und Leadsänger, gehörten ab 1985 zur besonderen Gruppe all jener Critics‘ Darlings-Bands, die – ähnlich wie Velvet Underground, die späten Byrds, Television, die Feelies oder Green On Red – einfach zu gut und ihrer Zeit voraus waren, um ihre eminent einflussreiche Musik so verkaufen zu können, wie sie es verdient hätten. Sie standen für sensiblen, klugen, einprägsamen amerikanischen Indie Pop-goes-Alt.Country Rock der Königsklasse, der die Rezensenten begeisterte und sich in den Jahreslisten der einschlägigen Rock-Magazine platzierte. Die 90er Jahre waren geprägt von Salas-Humara’s Rastlosigkeit und Experimentierfreude. Häufige Ortswechsel zwischen New York, Los Angeles und der pulsierenden Szene von Austin sorgten für permanente Umbesetzungen und hatten musikalische Brüche und Neuorientierungen zur Folge. Mit dem Boom von Alt.Country, No Depression und Americana waren die Silos jetzt eine Band unter vielen und mussten sich ihren Platz im großen Pool erst wieder zurückerobern. Und das geschah ab dem neuen Millennium bei Blue Rose mit einer beeindruckenden Serie von gleich mehreren starken Alben zwischen 2001 und 2006 bzw. dann wieder in 2011 mit dem famosen Florizona. Im Sommer 2014 hatte das schwäbische Label Curve And Shake veröffentlicht, nach über 18 Jahren mal wieder ein Non-Silos-Soloalbum, mit dem der inzwischen in Flagstaff, Arizona lebende Musiker seinen ungebrochenen Status im Independent-Bereich und als Darling der Alt.Americana/No Depression-Szene kräftig untermauern konnte!

Gleich zu Beginn dieses Jahres überrascht Walter Salas-Humara auf Work: Part One mit spannenden, komplett akustisch arrangierten Remakes der besten Songs der ersten drei Silos-Überwerke – About Her Steps (85), Cuba (87) und The Silos (90). Und nun erscheint bereits der eigentliche Nachfolger zu Curve And Shake, das opulent und vielschichtig angelegte Explodes And Disappears. Selbst produziert und in verschiedenen Studios mit etlichen unterschiedlichen Besetzungen aufgenommen, bietet Salas-Humara 10 neue Songs, die er meist im Team mit Freunden geschrieben hat. Ehemalige und aktuelle Silos-Musiker wie Rod Hohl, Konrad Meissner, Sarven Manguiat und Scott Garber, der langjährige Weggefährte Tom Freund, Philipp Knapp und Mäx Huber vom WSH-Trio sowie etliche weitere Musiker von Keyboarder Ryan Williams über den TexMex-Gitarristen Joe Reyes bis zu den Songwriter-Kollegen Jimm McIver, Liv Mueller, Paul Cullum und Vincent Gates sorgen für einen vollen, sorgfältig ausgearbeiteten Bandsound durchweg!

‚Diner By The Train‘ beginnt das Album mit einem eleganten, luftigen Latin Beat, perlenden Klavierklängen neben entspannten Acoustic Lead Guitar Licks und stimmigem Harmoniegesang von Co-Autor Jonathan Rundman, dem befreundeten finnischen Singer/Songwriter. ‚Working The Waterfront‘ ist einer von gleich vier Songs, die während des bekannten Steel Bridge Songfests entstanden sind, bei dem sich unbekannte und renommierte Künstler aus den ganzen USA jeweils für eine Woche im Juni treffen, um der historischen Stahlbrücke von Sturgeon Bay, Wisconsin Ehre zu erweisen, Geld für ihren Erhalt zu sammeln, gemeinsam Songs zu schreiben und im Holiday Music Motel gleich nebenan aufzunehmen. ‚Working The Waterfront‘ – ein Gleichnis über das Bewahren von Erinnerungen analog zu einem stillgelegten Schlepper, der in der Fahrrinne von Sturgeon Bay die riesigen Great Lakes-Frachter zum Überwintern in die Docks zog – überzeugt als robuste Midtempo-Nummer im klassischen ‚Like A Rolling Stone‘-Ambiente mit Orgel, Klavier, Electric Guitar und wunderschöner zweiter Stimme von Andrea Wittgens. Die anderen Steel Bridge-Stücke sind der Silos-style Rocker ‚The Best Thing‘ mit Power Pop-Chorus und prächtig twang-rockenden Gitarren, ‚Don’t Tear Me Down‘ zwischen Beatles und Country Rock sowie der handfeste, riffstarke 3-Minuten-Guitar Rocker ‚Penelope‘, ein weiterer „Frauentitel“-Song als gelungene Fortsetzung zu den Silos-Klassikern ‚Susan‘, ‚Mary’s Getting Married‘, ‚Caroline‘ und ‚Margaret‘ auf einer langen Liste.

Das wunderschöne ‚The Sunset And The Moon‘ interpretiert Walter Salas-Humara als feinfühligen Americana Folk, nur untermalt von Bass, Klavier und Orgel, während sich ‚I Will Remember You‘ als großes Silos-Balladenkino mit perlender Leadgitarre und geradezu hymnischen Refrains erweist. ‚Shitload Of Cash‘ ist ein genialer Storyteller-Boogie über Liebe und Drogendeals zwischen San Francisco und der kanadischen Grenze – mit Tom Freund am Bass und an der elektrischen Gitarre. Zum Ende dieses vielseitigen, kreativen und durchweg hochwertigen Albums gibt es noch die Westcoast/Folk Rock-Ballade ‚Another Fairy Tale‘ mit klasse Harmonien, munteren Congas und reichlich CSN/America-Flair sowie den beherzten, groovy Midtempo-Rocker ‚Sea Of Cortez‘ mit einer skurrilen Geschichte über drei gescheiterte Gringos, die ihr vermeintliches Seelenheil in Mexiko suchen und dort endgültig scheitern.