30. April 2015

Welcome to Blue Rose: ALECTRO debütieren mit School Of Desire!

School Of Desire
ALECTRO School Of Desire CD
€ 14,90

Ein bei uns bestenfalls eingefleischten Americana-Insidern bekannter Singer/Songwriter/Gitarrist und ein namhafter Studioveteran aus den 80ern, der damals gleich eine ganze Serie von hochkarätigen Acts in ihrer Blütezeit als Produzent betreute, haben sich für ein ungemein spannendes Projekt zusammengetan, das auf dem Blue Rose Label seinesgleichen sucht: Alectro! Alectro sind Steve Kirkman und Jeff Eyrich aus New York. Zusammen teilen sie ihre Leidenschaft für vibrierende Surf-Gitarren, kultige Spaghetti Western-Soundtracks, knackigen Duane Eddy-Twang, spukige Wüstenrock-Fata Morganas und spleenige 60er Spy-Fi-Instrumentals. Für ihr allererstes gemeinsames Album haben sie sich in Kirkman’s Octagon Holzhausstudio nördlich von NYC in der malerischen Hügellandschaft des Hudson River Valleys eingenistet – zusammen mit einer Fülle von merkwürdig aussehenden Gitarren, uralten Verstärkern, EFX-Pedalen, Echoplex-Geräten, antiken Mikrofonen und analogen Rhythmusmaschinen aus der Gründerzeit wie der Maestro Rhythm King MRK-2 Beatbox. Das herrlich abgefahrene, dabei musikalisch hochwertige Ergebnis heißt… School Of Desire!


Steve Kirkman verbrachte seine Jugend auf einer Farm in North Carolina zum Sound von Country, Blues, Gospel und Rock’n Roll. Er hat sich seitdem langsam über Nashville, Memphis und NYC nach Upstate New York in den Norden der USA vorgearbeitet, lebt seit etlichen Jahren als Musiker, Studiobesitzer, Toningenieur und Produzent für lokale Talente im Hudson River Valley. Mit Searcher (2001) und Roads (2007) hat er zwei Alben unter eigenem Namen veröffentlicht, dazu kommen ebenfalls zwei mit seiner Folk Rock-Truppe Hope Machine – March (2006) und Big Green (2009). Auf diesen Platten verfolgt er wertkonservativen Folk auf den Spuren von Woody Guthrie und Pete Seeger bis hin zum Songwriter & Americana Roots Rock eines John Mellencamp und Bruce Springsteen oder gar The Band.

Dagegen stammt Jeff Eyrich aus Südkalifornien, startete Ende der 70er als Studiomusiker (vornehmlich am Bass) in Los Angeles mit Jobs für so völlig verschiedene Acts wie Keith Carradine, Surf Punks, Bette Midler, John Cale, Tanya Tucker und Tim Buckley. Eigenes Profil erwarb er sich in den 80ern als Produzent mit charakteristischem Sound für die absoluten Trendsetter jener Ära: Plimsouls, Blasters, Gun Club (The Las Vegas Story), Rank & File, Walking Wounded, Thin White Rope und T-Bone Burnett (Proof Through The Night). 1995 ist er nach NYC gezogen, spielte in der lokalen Alt.Folk/Lounge Band Dave’s True Story oder mit dem Soul/Groove/Funk/Blueser Lipbone Redding, gründete sein Label BePop und ist ständig im Studio mit irgendeiner Newcomer-Combo anzutreffen.

Eyrich & Kirkman’s großartiges Teamwork-Debüt School Of Desire beginnt mit einem wahren Paukenschlag, ‚The Debt‘. Bei ihrer einzigen gemeinsamen Komposition treffen Calexico auf ‚Ring Of Fire‘ in der ultimativen Mischung aus Wall Of Voodoo und Johnny Cash. Die lauten Trompetensätze von Tim Ouimette und der mysteriöse Chorgesang von Felicia Michael am Ende befeuern das von etlichen überlagerten Gitarren geprägte Arrangement enorm! Steve Kirkman’s Titelsong kommt als satte, fetzige Swamp’n Twang-Nummer mit herrlich verhalltem Gesang, gleich mehreren Slidegitarren und zusätzlicher Power durch ein „“richtiges““ Schlagzeugset, gespielt von Rich Zukor. Auch für ein paar weitere Nummern wechseln sich die Drummer Zukor und Kevin Hupp ab, wie auf dem folgenden blues-getränkten Electric-Kracher ‚Fork In The Road‘, der mit unwiderstehlicher, scharf akzentuierter Gitarrenarbeit und wechselnden Lead Vocals begeistert. Slap Bass, Beatbox, Snare, eine hard driving Acoustic Guitar, Duettgesang und ein klasse Reverbsolo bestimmen Woody Guthrie’s ‚Hard Travelin‘ als Kombination aus J.J. Cale und den Tennessee Three. Im fast 6-minütigen ‚Shining Star‘ winden sich flirrende Gitarren wie Sidewinder im heißen Sand, der unheilschwangere Sprechgesang vermittelt Voodoozauber („“I met a man, way down in New Orleans…““), bevor Kirkman und Eyrich im Refrain geradezu ekstatisch abgehen. Spätestens jetzt sollte man Thin White Rope, Greyhound Soul, auch Tito & Tarantula – nicht nur an dieser Stelle! – als musikalische Querverweise nennen.

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Nach einem beschaulichen Desert & Surf-Instrumentalstück von Jeff Eyrich (‚Sunset At County Line‘) und dem Western Noir/Country Rock von ‚Cross And The Switchblade‘, frei nach Everly Brothers meet Giant Sand, folgt mit der ganz speziellen, von Slide- und Leadgitarren über schleppendem Rockbeat geprägten Interpretation des John D.Loudermilk-Klassikers ‚Tobacco Road‘ die zweite Covernummer des Albums. Zwei weitere erstklassige Steve Kirkman-Stücke leiten das erhabene Finale ein: In ‚Take Me To The Highway‘ fleht er wiederholt „“let my spirit run““, nur um im folgenden ‚Whiskey Water‘ seine Seele an all die Dämonen unserer Zeit zu verlieren. Mit dem selbsterklärenden ‚Sunrise At Faria‘, einem weiteren Eyrich-Instrumental im Calexico-Modus, beschließen Alectro diesen großen Bogen an ungewöhnlicher, mitreißender, inspirierender Musik, die offenkundig sehr sorgfältig, detailfreudig und nuanciert zusammengestellt, arrangiert und produziert wurde, dabei aber geradezu unverschämt lässig und taufrisch klingt!