29. Juni 2018

Nach 5 Jahren und harten Zeiten sind sie zurück mit einem neuen Album – I SEE HAWKS IN L.A.!

I See Hawks in L.A. schwebten recht sorgenfrei durchs erste Jahrzehnt ihres Bestehens, aber im Jahr 2018 kommen sie aus einer Phase, in der sie sich mit Sterblichkeit, großen Entscheidungen und dem langsamen Verlust der Möglichkeiten der Jugend befassen mussten. Die Veröffentlichung ihres Debütalbums – am 11. September 2001 – liegt nun fast 17 Jahre zurück. Seitdem wurden die Bandmitglieder weder reich noch berühmt, aber sie sind noch immer hier, vielleicht künstlerisch gestärkt von dem steinigen Weg, den sie zurückgelegt haben, den Erfahrungen einer geschundenen Seele. Eines ist klar: Es geht den Hawks um die Musik, um ihre Freundschaft zueinander und um das darin zu entdeckende Abenteuer.


Live And Never Learn ist das erste Hawks-Album seit Mystery Drug von 2013. In den fünf dazwischen liegenden Jahren starb Rob Wallers Mutter an Krebs; Paul Lacques hat im vergangenen Jahr gar beide Eltern verloren. Viele der Songs auf Live And Never Learn wurden geschrieben und aufgenommen, während sie mit der Trauer und mit anderen Herausforderungen, die einen besseren Ausgang nahmen, kämpften. Von den Hawks an alle, die ihre Eltern verloren haben: „Wir verstehen Euch. Wir wissen jetzt, wie das ist.“

Ihre Familien, gute Freunde und die Musik halfen der Band, diese Schicksalsschläge zu überstehen, sowohl persönlich als auch künstlerisch. Das Songwriting von Waller/Lacques wird von Beiträgen von Bassist Paul Marshall und Drummer Victoria Jacobs ergänzt. Ein Song, der rockende „King Of The Rosemead Boogie“, enthält verdrehte textliche und spirituelle Beiträge von Mitgliedern der Band Old Californio.

Zwei Songs, „White Cross“ und „Singing In The Wind“, entstanden als Co-Writes per Email mit Peter Davies von der britischen Band Good Intentions. Mit verhallten Telecaster-Gitarren, präzisem Bass und Harmoniegesang haben sie den typischen Hawks-Sound, aber die Texte nehmen den Zuhörer mit von Memphis zu den Mooren von Nordirland.

„Last Man In Tijuana“ bringt uns wieder zurück zu den vertrauteren Gefilden der Berge Kaliforniens. Der Song, den die Hawks vor einigen Jahren schrieben, erzählt die Geschichte einer Trennung übers Mobil-Telefon, während die Flammen näherkommen. Er passt gut auf das Album, weil Marshall sein Haus in Tujunga im Herbst 2017 gleich zweimal verlassen musste. „Meine Zeit war fast abgelaufen“, sagt er, „als die Flammen vor dem Tor loderten“.

In vielen Tracks des Albums geht’s um die persönlichen Probleme der Musiker. „Poor Me“ befasst sich mit dem ernsten Thema des Selbstmitleids eines Alkoholikers, aber es wird mit dem Humor, den jeder Hawks-Fan kennt, präsentiert. Dave Zirbel steuert Pedal Steel zu diesem Abschiedssong an den Alkohol bei, während Waller „I better not have no more“ singt. Zirbel trifft den emotionalen Kern vieler Songs auf diesem Album mit seinem subtilen und überraschenden Spiel.

Drummer Victoria Jacobs hat einen nachdenklichen Song über das Vergehen der Zeit geschrieben; „Spinning“ ist ein Meisterwerk psychedelischer Folkmusik. Nachtgedanken und außergewöhnliche Bilder ziehen durch diesen wunderschönen Song. In „My Parka Saved Me“ singt Jacobs über ihren Frontalzusammenstoß als Teenager an einem Winternachmittag auf Lake Michigan. Der Doo-Wop-Gesang der Hawks, 50er-Jahre-Akkorde und Danny McGoughs süße Orgel sorgen in dieser Geschichte für eine sanfte Landung.

Auch Hawks-typische Themen finden sich auf dem Album. „Planet Earth“ und „Ballad For The Trees“ belegen den langjährigen Einsatz der Band für die Natur. „Stoned With Melissa“ ist eine weitere Marijuana-Hymne der Hawks – allerdings mit einer realistischen, traurigen Wendung. „King Of The Rosemead Boogie“ stellt einen Helden des San Gabriel Valley in all seiner (oder ihrer) Pracht vor. Um Reue und die Dualität von Erde und Geist geht’s in „Isolation Mountains“ und „Tearing Me In Two“, die von der Fiddle des langjährigen Bandfreunds Dave Markowitz und dem innovativen Akkordeon von Richie Lawrence getragen werden.

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Im Frühjahr gab es endlich mal wieder gute Nachrichten für die Hawks. Die Band beendete ihre Aufnahmen und ließ sie vom fünffachen Grammy-Gewinner Alfonso Rodenas (Los Tigres del Norte), der auch schon Mystery Drug und andere Paul-Lacquer-Projekte gemischt hat, mixen. Als die Mixe zurückkamen und toll klangen, brandete Optimismus bei den Hawks auf – vielleicht irrational, vielleicht aber auch das nötige Heilmittel in dieser Zeit in den USA. Auf Live And Never Learn klingen I See Hawks In L.A. besser als je zuvor.

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