Mit der Plattenfirma Rootsy Music aus Malmö in Schweden verbindet uns seit vielen Jahren nicht nur eine rein geschäftliche Beziehung – im Laufe der Jahre wurde daraus auch so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden Hauptakteuren Hakan Olsson und Björn Petterson. Neben regelmäßigen Neuerscheinungen ist vor allem Petterson die treibende Kraft und organisiert nicht nur Konzerte, sondern auch komplette Tourneen mit Bands und Künstlerinnen und Künstlern überwiegend in Schweden. Bereits zum 7. Mal wurde vom 21. bis 23. August das „Rootsy Summer Fest“ in der Kleinstadt Falkenberg, 100 km südlich von Göteborg, ausgetragen. Das Line-Up konnte sich wirklich sehen lassen und wir beschlossen, bei dem dreitägigen Festival endlich einmal vorbeizuschauen.
Über Social Media hatten wir von den drei Tagen ausführlich über unsere Erlebnisse und Erfahrungen berichtet. Für all Diejenigen, die nicht auf Facebook unterwegs sind, haben wir die Berichte hier noch einmal online gestellt.
Tag 1 – Freitag, 21. August

Pünktlich und bei wider Erwarten schönem Wetter bei 20° (es sollte auch den ganzen Tag kein Tropfen vom Himmel fallen) um 14 Uhr waren wir im Hinterhof des Hwitan Hotels in Falkenberg, wo die Plattenfirma Rootsy Music ihr jährlich stattfindendes Summer Fest hergerichtet hatte. Ich hatte ja überhaupt keine Vorstellung, wie das Gelände denn aussieht – ist es ein Garten, ein Wiesengrundstück, wie groß wird es sein, was für ein Fassungsvermögen an Zuschauern? Die Überraschung war dann doch ziemlich groß, war es doch ein zweckentfremdeter Hotelparkplatz mit Pflastersteinen und auch räumlich sehr überschaubar, wobei die Bühne selbst schon einen großen Raum einnimmt. Mit etwa 1.000 Leuten ist das Areal schon ziemlich gepackt, viele Stehtische helfen den älteren Semestern doch, auch für längere Zeit im Stehen der kommenden Musik zu lauschen, denn Sitzgelegenheiten waren zumindest im Hof nur für solche Personen gedacht, die körperlich nicht in der Lage sind, über mehrere Stunden im Stehen zu verbringen, denn das musikalische Programm war bis 23:45 Uhr angesetzt. Wir konnten uns schnell einen der Stehtische sichern und freuten uns auf den ersten Künstler, den Norweger OLE KIRKENG, der pünktlich um 16 Uhr mit seiner Band die Bühne betrat. Ich war ja wieder ohne Vorkenntnisse in dieses Festival gestartet, und da ich den Künstler nicht kannte, war ich nach bereits einer Minute sicher, dass die Show genau mein Ding sein würde. Die Pedal Steel zeigte sofort die Richtung an, der Drummer unterstützte Kirkeng mit Harmony Vocals, die Songs mit tollen Hooks – mir kam sofort die Band Whiskeytown und Ryan Adams als Vergleich, Kirkeng selbst hatte irgendwas von Gram Parsons an sich. Klasse Songs, ganz dicker Tipp, und natürlich ging ich nach der Show sofort zu seinem kleinen Merch-Tisch und besorgte mir eine aktuelle LP, nicht ohne ein paar Worte mit ihm zu wechseln.
Starker Anfang, aber direkt danach mit UNCLE LUCIUS aus Austin sollte der Pegel noch weiter nach oben gehen. Bereits zuvor beim Schlendern durch den Merchandise-Bereich war ich sehr überrascht, das neue Album der Band, „Open Eyes, Broken Heart“, das offiziell erst am 25.09. erscheinen wird, bereits auf dem Verkaufstisch zu sehen. Nur als Vinyl, aber das wäre eh mein Objekt der Begierde gewesen. Die Band ist ja ein immer willkommener Gast bei Rootsy Music und spielte ihren 60-Minuten-Set äußerst ambitioniert und mit sichtbarer Begeisterung. Neben Frontmann Kevin Galloway konnten auch Keyboarder Jon Grossman und Leadgitarrist Mike Carpenter ihre Sangeskünste unter Beweis stellen. Neben einigen Songs aus dem neuen Album durften natürlich Klassiker wie „Keep the Wolves Away“ (hier dazu auch ein Video) und „Pocket Full Of Misery“ als Abschluss eines grandiosen Auftritts nicht fehlen.
LEE BAINS aus Birmingham, Alabama, war dann der erste Solo-Act des Tages. Ein waschechter Protestsänger mit E-Gitarre, der eigentlich mehr mit Stories und Parolen zur Musik beschäftigt war, was mich dann nach einiger Zeit doch eher vielleicht auch in Ermangelung der englischen Sprache langweilte. Zumindest wurde mir klar, dass Bains kein Trump-Freund ist, was ihn mir dennoch sehr sympathisch machte. Wir verließen das abgeschrankte Festivalgelände und gingen auf die Straße, wo ein kleiner Markt mit (Food-) Ständen und Biertischgarnituren aufgebaut war.

Rechtzeitig zurück zu JESPER LINDELL & THE BRUNNSVIK SOUNDS, HORNS & SINGERS. Wie es der umfangreiche „Bandname“ schon sagt, hatten sich Lindell und seine Band durch Trompete, Saxofon und zwei Sängerinnen für diesen Auftritt verstärkt, wobei mir die „entschlackte“ Version wie einige Wochen zuvor auf dem Static Roots Festival in Oberhausen wesentlich besser gefällt. Mein Ruf als „horn hater“, den ich von Steve Wynn bekommen hatte, wurde hier erneut unter Beweis gestellt. Gut 80 Minuten dennoch prima Unterhaltung im Memphis/Muscle Shoals-Ambiente, wobei die Covers der beiden aktuellen Alben eher außen vor gelassen wurden.
ZANDI HOLUP aus Nashville sieht zwar attraktiv aus, aber ihre piepsige Stimme war überhaupt nicht unser Ding und wir nutzten die günstige Gelegenheit, unsere geplagten Beine im Außenbereich zu entlasten.

Headliner war der für uns vollkommen unbekannte Schwede VALTER NILSSON mit seiner Band STIGBERGET. Dabei ist er der derzeitige absolute Überflieger in Skandinavien, zumindest in seiner Heimat und in Norwegen. Vor einigen Tagen hatte er erst in Oslo 12.000 Besucher für eine Show gezogen, hier war der Innenbereich vollkommen überfüllt mit weit über 1.000 Menschen, die seinen Songs (in schwedisch!) anhimmelnd und ergeben lauschten. Begonnen hatte er wohl bei wenig Zuschauerresonanz in englischer Sprache, entschied sich dann, in seiner Muttersprache zu singen und die Karriere nahm einen raketenhaften Aufschwung. Und die Musik? Naja, eigentlich kräftiger Pop-Rock ohne große Schnörkel und wenig Tiefgang, aber das Publikum in allen Altersschichten zog begeistert mit. Er ist schon eine kleine Rampensau, fegt ständig von einer Seite auf die andere, animiert das Publikum zum Mitmachen, und seine sechsköpfige (!) Band spielt fleißig mit. Vielleicht lag unsere Zurückhaltung auch nur daran, dass wir keine Ahnung hatten, wovon Nilsson überhaupt singt. Nach 20 Minuten hatte es uns gereicht und wir gingen am riesigen, extra im Außenbereich aufgebauten Merchandise-Tisch vorbei, wo es Alles, was das Fan-Herz begehrt, zu erwerben gab.
In den Pausen spielte auf der „Marktstraße“ die Coverband Cajun Blend, die mit bekannter Musik aus dem American Songbook für lockere Unterhaltung sorgte.
TAG 2 – Samstag, 22. August

Eines vorweg: Als wir zuhause vor einigen Tagen die Wetterprognosen für unseren Aufenthalt in Schweden gecheckt hatten, sahen die überhaupt nicht rosig aus – um die 20°, aber bis zu 80 % Regenwahrscheinlichkeit über all die drei Tage beim Rootsy Summer Fest. Entsprechend war die Regenjacke das wichtigste Kleidungsstück im Koffer. Der Wettergott muss es wirklich sehr gut mit uns gemeint haben, denn seit dem ersten Tag des Festivals wurde das Wetter immer beständiger, blauer Himmel, tagsüber kräftiger Sonnenschein, und bisher KEIN EINZIGER Tropfen Regen! Da ist die Stimmung bei einem Open Air Festival natürlich umso besser. Sowohl für die Besucher als auch für die Künstler/Künstlerinnen.

Als erster auf der Liste für den Samstag stand ein junger Mann aus Florida, LEON MAJCEN, der mir ganz zufällig vor einigen Monaten auf Spotify über den Weg gelaufen war, als ich den Zufall entscheiden lassen wollte, was mir der Streamingdienst so anbietet. Was ich da hörte, war wirklich erstaunlich, da kam sehr viel von Guy Clark oder John Prine in seinen Songs vor, und auch auf der Bühne machte Majcen, Sohn eines bosnischen Flüchtlings, einen sehr guten Eindruck. Meine Hoffnung, dass er auch Tonträger mit dabei hat, erfüllte sich leider nicht. Also muss ich wohl doch die teurere Variante über seine Webseite nutzen, zumal in ein paar Tagen sein neues Album „The Leaving Kind“ erscheinen wird und es sich noch mehr lohnt, die teuren Versandkosten zu verschmerzen. Ein ganz persönlicher dicker Tipp, ohne Vertrieb allerdings hierzulande sehr schwer erhältlich für die diejenigen Musikfans, die noch CD oder Vinyl den digitalen Soundfiles vorziehen.
Der Tag würde wieder sehr lang werden, daher musste EMILY SCOTT ROBINSON leider ohne uns ihren Auftritt absolvieren, doch zur COSMIC COUNTRY REVUE waren wir zurück. Ein zusammengewürfelter Haufen an Solomusikern (Jeffrey Silverstein, Bobby Lee und Joe Harvey-Whyte) wechselte sich auf der Bühne ab und brachte ausufernde Gitarrenklänge über die Lautsprecher, die mich an Improvisationen von Grateful Dead erinnerten, aber auch Velvet Underground und die jüngsten Alben von The Dream Syndicate, und wenn Cannabis in Schweden nicht streng illegal wäre, wären da garantiert entsprechende Rauchschwaden und Düfte über das Festivalgelände gezogen.
Es gibt Singer/Songwriter, die gut unterhalten, es gibt solche, die sehr gut unterhalten und es gibt solche Singer/Songwriter, die wahnsinnig gut unterhalten können. Zur dritten Kategorie gehört zweifelsohne der 40-Jährige AARON LEE TASJAN aus East Nashville. Bereits 2008 war das erste Album von ihm erschienen, mit „Silver Tears“ von 2016, erschienen auf New West Records, nahm seine Karriere einen steilen Weg nach oben. Erst vor wenigen Wochen war das neue Album „Get Over It, Underdog“ erschienen. Dieser Mann braucht keine Band hinter sich, die Solo-Performance war sensationell, so muss man das einfach sagen. Die Stimme, sein unglaubliches Gitarrenspiel, das er in die Songs ja nach Inhalt einbaut, ist schon ganz großes Kino. Und die Geschichten – was für ein großartiger Storyteller er ist. Ob zu Stücken wie „Twilight Zone Blues“, „Memphis Rain“ (unglaubliche Story, wenn sie tatsächlich wahr ist) oder über Begegnungen mit seinen Helden wie Todd Snider und Guy Clark in den Bluebird Studios in Nashville – das ist schon wahre Storyteller-Kunst. Ein kleines Beispiel eines denkwürdigen Auftritts bietet das Video zu „Made In America“ aus dem Album „In the Blazes“ von 2015, das ich mitgefilmt hatte.
Auf JOHN R. MILLER war ich besonders gespannt, denn sein neuestes Album „The Great Unknowing“ ist nach den beiden Vorgängern „Depreciated“ und „Heat Comes Down“ ein weiterer kreativer Schub nach vorne. Für seinen Auftritt wurde er unterstützt durch E-Gitarre, Bass und Fiddle, er selbst hantierte zu Beginn immer wieder am Kabel seiner Akustikgitarre herum. Er hatte auf einem Stuhl Platz genommen, was zwar für die Zuschauer vorn an der Bühne kein Problem war, aber durch die recht niedrige Bühne konnten die Besucher weiter hinter vom Hauptakteur gar nichts sehen, was sicher auch dazu beigetragen hat, dass die Stimmung nicht so richtig überspringen wollte. Zudem waren die Songs auch fast durchweg in Moll und eher ruhig vorgetragen, etwas Abwechslung oder der Einsatz eines Schlagzeugs hätte da gutgetan. Sehr schade, aber einen guten Eindruck hatte der Mann aus West Virginia bei mir dennoch hinterlassen.

Anschließend der Große NICK LOWE! Leider ohne Band, wäre wohl auch zu teuer gewesen. 77 Jahre alt ist der Engländer nun auch schon. Ich hatte ihn nur ein einziges Mal live gesehen, das war 1980 in Kaiserslautern mit Rockpile bei einem Festival mit Fleetwood Mac, Bob Marley & the Wailers oder auch Fischer-Z. Nur mit Akustikgitarre kommen seine meist recht kurzen Stücke leider nicht so schmissig rüber, zudem hielt er sich in der ersten Hälfte der 65 Minuten mit doch wenig bekannten Songs auf, ehe dann mit „Cruel to be Kind“, „(What’s So Funny Bout) Peace, Love and Understanding“, „Heart Of The City“ oder „Trombone“ doch noch etwas Stimmung in die andächtig lauschende Menge kam. Überraschend für mich dann das Bee Gees-Cover „Heartbreaker“, von den Gibb-Brüdern geschrieben für Dionne Warwick.

ANASTASIA war am Tag zuvor eine der Background-Sängerinnen beim Auftritt von Jesper Lindell, jetzt hatte sie ihren eigenen Set, unterstützt von eben Lindell und Teilen dessen Band. Die rothaarige Schwedin war für mich (gut, ich kannte sie ja überhaupt nicht) sehr dominant und dirigierte ihre Musiker nach Belieben nach jedem Song. Eine Stimme, die mich total geflashed hat mit einer wahnsinnigen Bandbreite, was mich irgendwie an 60er Schlagersängerinnen wie Nana Mouskouri, Lale Andersen oder auch Catharina Valente erinnerte. Auch die Musik war eine Mischung aus Country-Schlager und Pop, wobei ich von den Texten leider nichts verstanden habe, da meine Schwedischkenntnisse auch nach drei Tagen in diesem schönen Land immer noch gleich Null sind.
Es war gegen 21 Uhr schon ziemlich frisch geworden, zudem hatten die Füße ihre Tagesarbeit fleißig erfüllt, so dass wir uns entschieden, den letzten Act des Tages, THE TEMPERANCE MOVEMENT, sausen zu lassen. Ich weiß, ein grobes Vergehen, aber manchmal ist der Geist willig, aber der Körper nicht. Wie auch in diesem Fall. Werde ich mich halt mit dem neuen Album zufrieden geben müssen.
TAG 3 – Sonntag, 23. August

Der letzte Tag startete bereits um 12 Uhr, denn Ende sollte um 19 Uhr sein. JUDY BLANK sagte mir einmal wieder gar nichts, das sollte sich aber gehörig ändern. Die junge Musikerin ist aus den Niederlanden, lebt aber schon viele Jahre in Austin, Texas und hat dort bereits sehr gute Kontakte geknüpft. Auch sie wie ihre Kollegen zuvor eine tolle Storytellerin mit schönen, einprägsamen Songs, was ihren Auftritt von Minute zu Minute unterhaltsamer machte und mich wider Erwarten zum Merchandise-Tisch trieb, um mir ihr aktuelles Album zu besorgen, wo unter anderem ein alter Bekannter, Justin Osborne, vertreten war, der, was sich schnell herausstellen sollte, nicht nur zufällig neben der Bühne stand und für ein Duett bei „Cosmic Kids“ auf die Bühne kam. Das neue Album von Judy, „Big Mood“, war beim Label Rounder erschienen, was ja praktisch einen Ritterschlag im Musikbusiness bedeutet.
Ja klar, jetzt war mir die Verbindung zu Justin Osborne klar, nachdem anschließend die SUSTO STRINGBAND die Bühne betrat. Unter der Band SUSTO hatte Osborne einige Alben, unter anderem über New West Records, veröffentlicht. Osborne hatte sich dann von seinem Partner Johnny Delaware getrennt und die Susto Stringband gestartet, die mittlerweile auch bereits zwei Alben veröffentlicht hat – „Volume One“ und „Volume Two“. Kaum losgelegt, hat mich die Band in ihren Bann gezogen, die Melange aus Country und Bluegrass mit wunderbarem mehrstimmigen Gesang hätte auch perfekt auf das Album „Will The Circle Be Unbroken“ der Nitty Gritty Dirt Band gepasst. Mehr muss ich als Vergleich gar nicht anbringen – genau so klingt die Susto Stringband und mein Jagdfieber wurde auch hier gestillt, wenn es auch nur die „Volume Two“ zu kaufen gab.

Was die Angebote auf den Verkaufstischen betrifft, ist es schon sehr interessant zu sehen, dass die meisten der aufgetretenen Musiker und Bands so gut wie immer Vinyl dabei hatten, aber selten CDs. Der Wandel des physischen Tonträgers zurück zur Schallplatte ist immer deutlicher zu sehen, auch wenn der Transport für viele der aufgetretenen Künstler/Künstlerinnen nicht einfach ist. So hatten auch manche überhaupt kein Merchandise dabei wie etwa Leon Majcen, Nick Lowe oder The Temperance Movement.
Dann hatte es uns doch noch erwischt, und dann gleich so richtig. Kaum hatte der Auftritt der US-Amerikanerin SUNNY WAR begonnen, ging ein heftiger Regenschauer auf das Gelände hernieder, der die Besucher in Hektik verleiten ließ und schnell die Regenponchos und –jacken angezogen wurden. Der Auftritt litt natürlich sehr darunter, auch ich hatte mehr Mühe, das Trockene zu suchen als der Musik zu lauschen.
Rechtzeitig zu OTIS GIBBS war der Himmel wieder blau, die Regenwolken verzogen. Ich hatte Otis Gibbs noch nie live gesehen – auch er ein großartiger und professioneller Singer/Songwriter und Storyteller, vor wohl 20 Jahren aus Indiana nach East Nashville gezogen und da seine neue Heimat gefunden.
Auch JAMES McMURTRY hatte kein Merch zum Verkauf, für mich eh kein Problem. Neben Tim Holt an der Gitarre/Harmonica und Cornbread am Bass war für die Tour Craig Bagby eingesprungen, kein Unbekannter, hatte er doch früher unter anderem bei der Band Shurman und Austin Collins getrommelt. Was soll ich zu McMurtry sagen? Er spielte mehr oder weniger ein 75 Minuten-Best Of mit „Childish Things“, „Annie“, „Choctow Bingo“, „We Can’t Make It Here“, „You Got To Me“, „Red Dress“ und zum Abschluss „Too Long In the Wastland“. Gewohnt routiniert und eine typische McMurtry-Show mit wenigen, dann knarzigen Kommentaren.

Den Rausschmeißer durfte THE WHITE BUFFALO spielen, und das machte der mächtige Mann aus Oregon mit Bravour! Seine erdbebenhafte Bariton-Stimme hätte garantiert jeden Büffel in die Flucht geschlagen. Wenn das nicht gereicht hätte, dann ganz sicher mit dem Trommelwirbel von Matt Lynott. Was der Mann am Schlagzeug an Arbeit verrichtete, ist schon bemerkenswert. Und nicht weniger beeindruckend war das Gitarrenspiel von Christopher Hoffee, die drei ergänzen sich perfekt und zelebrieren eine Rockshow sondersgleichen, die mit Americana eigentlich wenig zu tun hat und durch den Einsatz der akustischen Gitarre von Jake Smith, wie der weiße Büffel mit richtigem Namen heißt, doch wieder viel Americana in sich hat. Meist starteten die Songs ruhig und wuchsen dann von Minute zu Minute zu einem wahren Gitarren-Drums-Stimme-Gewitter, wenn die drei Musiker wie Berserker ihren Teil der Show absolvierten. Ich kannte zuvor eigentlich nur einen Song – „Come Join the Murder“ aus der „Sons Of Anarchy“-TV-Serie, aber nach diesem fulminanten Auftritt muss ich mich mit dem Oevre von The White Buffalo genauer auseinandersetzen.