BRANDOS

BRANDOS
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Over The Border LP € 19.90 Info
Single By Request 7" € 9.90 Info

The Brandos begeisterten mit handgemachtem Rock & Roll, der bluesgetränkte Gitarrenattacken enthielt, gemischt mit Country- und Folk-Anleihen, die tief in der amerikanischen Musiktradition verwurzelt waren.
Die Brandos, die von dem Film "The Wild One" derart begeistert waren, dass sie sich nach dessen Hauptdarsteller Marlon Brando benannten, formierten sich 1986 in der Besetzung David Kincaid (voc, g, mand, banjo), geb. am 21.03.1957 in Santa Monica/Kalifornien, USA, Ed Rupprecht (g), Larry Mason (dr) und Ernie Mendillo (b, voc), geb. am 23.10.1959 in Hackensack/New Jersey, USA, in New York City.
Der Kopf der Gruppe war der in Seattle aufgewachsene Sänger, Gitarrist und Texter David Kincaid. Der von irischen Vorfahren abstammende Kincaid spielte seit Mitte der 70er zusammen mit Larry Mason in diversen Rockbands seiner Heimatstadt Seattle. 1979 gründeten Kincaid und Mason gemeinsam mit Steve Adamek (voc, g) die Powerpopband The Allies. Unterstützt wurden sie dabei von dem Songwriter Carl Funk.
Die Allies konnten mit ihrer Mischung aus kraftvollem Gitarrenpop, Punk und New Wave 1982 mit dem Song "Emma Peel" einen Radio-Hit in Seattle landen und mit der im März 1982 veröffentlichten LP Allies einen Achtungserfolg erzielen. Die Band spielte bis Anfang 1985 in den Clubs ihrer Heimatstadt, doch dann war plötzlich die Luft raus.
"Irgendwie war in Seattle nicht mehr viel los, und so entschied ich, die Stadt zu verlassen. Ich wollte im Zentrum der Dinge sein, also ging ich nach New York. Im 'Village Voice' graste ich die Annoncen nach Gruppen ab, die Musiker suchten, und landete so schließlich bei Soul Attack, der Band, in der Ernie Mendillo und Ed Rupprecht spielten" ("Zillo").

Die Musiker beschlossen, mit einem veränderten Sound einen Neuanfang zu starten und nahmen mit Hilfe einer Drummaschine in Kincaids Apartment einige Demos auf. Schon bald hatten die Musiker genug Material zusammen, um es in den New Yorker Clubs vorstellen zu können. Unter dem Namen The Brandos und mit Kincaids altem Freund Larry Mason als Drummer begann die Band nun im Februar 1986, in den angesagten New Yorker Clubs wie dem CBGB, Tramps und The Bitter End aufzutreten.
Im Oktober 1986 gingen die Brandos ins Studio, um die LP Honor Among Thieves (US # 108) aufzunehmen, die von dem New Yorker Label "Relativity Records" 1987 veröffentlicht wurde. Das Album glänzte mit einem "klaren und frischen Powerrock, mit satten Gitarren, klugen Texten und starken Melodien" ("Stereoplay"). Sänger David Kincaid beeindruckte dabei mit einer durchdringenden Stimme, die immer wieder Vergleiche mit der von John Fogertys mächtigem Organ hervorrief. Im Mai 1987 tourten die Brandos erstmals durch Europa. Danach spielten sie bei US-Konzerten als Vorgruppe für INXS, The Cars, und den Georgia Satellites. Im Frühjahr 1988 wurde das Album Honor Among Thieves in der Sparte "Best Album (Independent Label)" mit einem New York Music Award ausgezeichnet, und Dave Kincaid bekam in der Sparte "Best Male Vocalist (Independent Label)" ebenfalls einen New York Music Award verliehen.

Danach begannen die Brandos mit den Aufnahmen an ihrer zweiten LP Trial By Fire, die aber wegen Rechtsstreitigkeiten mit verschiedenen Plattenfirmen nie veröffentlicht wurde. Die Band musste zwischen 1989 und 1992 eine Zwangspause einlegen, in der sie versuchte, einen neuen Plattenvertrag auszuhandeln, und landete schließlich, nachdem sie von "RCA" wieder gefeuert wurde, beim deutschen Label "SPV". Das 1992 veröffentlichte Album Gunfire At Midnight durfte allerdings aufgrund der Rechtsstreitigkeiten, die die Karriere der Brandos in den USA für weitere sechs Jahre blockieren sollte, nur in Europa erscheinen.
"1991 haben wir uns überlegt, ob wir die Sache beenden sollen oder noch einmal durchstarten. Das letzte Jahr war wirklich hart. Ich habe geheiratet und konnte meiner Frau nichts bieten. Die anderen kehrten in ihre alten Jobs zurück. Ich bin eine Zeitlang Lastwagen gefahren und habe zwischendurch neue Songs geschrieben. Es war unser schlimmster Alptraum" (D. Kincaid in "Rock World").

Doch mit dem Album Gunfire At Midnight brachten die legitimen Nachfolger von CCR ihre Karriere wieder in Schwung. Die LP bekam glänzende Kritiken, und durch ausgiebige Tourneen durch den europäischen Kontinent konnten sich die Brandos eine große Fangemeinde erspielen. Daß die Brandos zu den besten Gitarrenrockbands der Welt gehörten, bewiesen sie mühelos mit dem "ausgefeilten Gitarrenrock" ("Oldie Markt") der LP Gunfire At Midnight.
Das vom Magazin "Stereoplay" als "ein rauhes, ungeschliffenes Rock-Juwel" bezeichnete Album enthielt ein kraftvolles Potpourri aus Country-Rockern ("Partners"), Rockabilly-Nummern ("The Last Tambourine") und dynamischen Rockern ("How The Dice Fall"). Als Singles wurden die Songs "The Keeper" (1992), "Anna Lee" (1993) und der hymnenhafte Rock-Song "The Solution" (1992) ausgekoppelt. Am Songwriting war wieder, wie auf allen CDs der Brandos, der Texter Carl Funk beteiligt.

Auf dem 94er Album The Light Of Day wurde Ed Rupprecht, der nur an zwei Stücken des Albums beteiligt war, größtenteils durch Scott Kempner von den Del Lords ersetzt. Bei dieser Platte setzte die Band verstärkt auf akustische Instrumente und erweiterte das Spektrum um den Einsatz von Violinen-, Banjo- und Mandolinenklängen, "so dass man von einer gelungenen Mischung aus Rock und Folk, Kraft und Gefühl sprechen kann" ("Sub Line"). Von der traditionsbewußten Folk-Rock-Platte wurden die Songs "Not A Trace" (1994) und "Love Of My Life" als Singles ausgekoppelt. 1995 veröffentlichte "SPV" die zehn Tracks umfassende Single The Light Of Day mit akustischen Versionen bekannter Songs inklusive Coverversionen wie "Twenty Flight Rock" von Eddie Cochran und "Green River" von CCR. Ganz im Stile von Creedence Clearwater Revival klang auch die CD In Exile - Live (1995). Das packende Live-Dokument enthielt kraftvolle, funkensprühende Songs aus den vorangegangenen Studio-Alben sowie das Traditional "The Recruiting Sergeant".

Auf dem 96er Album Pass The Hat präsentierten sich die Brandos in veränderter Besetzung, denn Rupprecht, Mason und Kempner waren ausgeschieden und durch Frank Funaro (dr, ex Del Lords) und Frank Giordano (g), geb. am 09.07.1964 in Long Island/New York, USA, ersetzt worden. Das "rauhe, erdige und kraftvolle Meisterwerk" ("ME/Sounds") enthielt wieder jede Menge Rock-Hymnen, von denen das folkige "Tell Her That I Love Her", der Titel-Track "Pass The Hat" und das erdige "You'll Still Be Mine" besonders herausragten. Außerdem waren auf dem Album mit "German Skies", "Let The Teardrop Fall", "The Siege" und "The Other Side" vier Songs vertreten, die von dem unveröffentlichten Album Trail By Fire stammten und für Pass The Hat neu aufgenommen wurden. Im gleichen Jahr beteiligte sich David Kincaid als Produzent, Mandolinenspieler und Background-Sänger an dem Solo-Album des Songwriters Carl Funk, das von Folk, Rock und Pop beeinflusst war.

1997 beschäftigte sich Kincaid mit den Aufnahmen seines Solo-Albums The Irish Volunteer (1998), das die Folk-Seite des hemdsärmeligen Rockers präsentierte und überwiegend akustische Arrangements enthielt. Im Sommer 1997 gingen die Brandos mit dem Drummer Tom Goss auf Europa-Tournee. Ein neues Album erschien im Oktober 1998. Eingespielt wurde die CD Nowhere Zone mit den Musikern Kincaid, Mendillo, Giordano und Funaro.
Nowhere Zone war "eine Rückkehr zum klaren amerikanischen Rock" (Pressetext), der der Band den Durchbruch sichern sollte. "Wir brauchen endlich ein Ereignis, das die Band nach oben spült. Ich will als Künstler überleben, statt demnächst wieder Trucks zu fahren. Stagnation bedeutet in diesem Geschäft Rückschritt" (D. Kincaid im dt. "Rolling Stone"). Doch die "Großstadt-Folkrock-Songs" ("Audio") wurden wieder nur von den Fans vernommen, und die Brandos zählten auch weiterhin zu den ewigen Geheimtipps.

Von den Fans besonders herbeigesehnt, enthielt die CD die verbliebenen sechs Songs der unveröffentlichten Platte Trail By Fire. Im Sommer 1999 tourten die Brandos mit dem Schlagzeuger Tom Engels wieder durch Europa und traten u.a. im Vorprogramm von Van Morrison, Deep Purple und Bryan Adams auf. Während dieser Tour wurde das im Eigenvertrieb erschienene Konzert-Dokument Live At Loreley aufgenommen. Gegen Ende 1999 erschien die Zusammenstellung Contribution - The Best Of 1985-1999, auf der die Band ihre fast fünfzehnjährige Karriere Revue passieren ließ. Als besonderen Bonbon hielt die "Rootsrock-Mischung" die beiden unveröffentlichten Songs "Hallowed Ground" und "My Way To You" parat.

Danach wurde es ruhiger um die Brandos. Zwar gab es noch ein paar kleinere Tourneen, wie im Dezember 2002 und im Juli 2006 in Deutschland, doch weitere Alben wurden zunächst nicht eingespielt.
Von David Kincaid erschien 2001 aber das Solo-Album The Irish-American's Song, auf dem er wieder authentische und größtenteils akustische Folksongs präsentierte, die das Liedgut der irischen Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg aufgriffen. Anschließend ging Kincaid auch als Solist auf Tournee und trat z. B. im Januar/Februar 2004 in Deutschland auf.


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